Der Kommentar: Es ist wie verhext. Amerika befindet sich mitten in einem Wirtschaftsaufschwung. Und dennoch haben die Amerikaner schlechte Laune. Glaubt man den Umfragen, sind sie wütend auf das politische Personal und unzufrieden mit ihren Zukunftsaussichten. Das hat Folgen für die Ausmarchungen der Präsidentschaftskandidaten.

Bei den Republikanern fällt die ausgeprägte Vorliebe für politische Novizen auf. Quereinsteiger wie Donald Trump oder Ben Carson versuchen, mit Charisma und Improvisationsvermögen mangelnde Dossierkenntnis und fehlende Regierungskompetenz wettzumachen. Ihnen fliegen die Herzen der Basis zu, die über das republikanische Polit-Establishment wütend ist – weil dieses in den vergangenen Jahren zu viele Kompromisse gemacht habe. Die Zeche für diesen angeblichen Schmusekurs zahlen nun fähige Leute wie Jeb Bush.

Bei den Demokraten scheint Hillary Clinton wieder Tritt gefasst zu haben. In den Meinungsumfragen steht die Favoritin der Parteiführung wieder ganz oben. Dafür verantwortlich ist auch eine programmatische Kurskorrektur: Clinton ist nach links gerückt und hat dabei einige Prinzipien über Bord geworfen. Dieses Manöver stösst beim Fussvolk auf Zustimmung. Clinton verstärkt damit aber den Eindruck, ihr fehle es an Rückgrat – dies könnte der ehemaligen Senatorin und Aussenministerin in der kommenden Auseinandersetzung mit den Republikanern noch teuer zu stehen kommen.

Was passiert am 8. November 2016? Prognosen scheinen schwieriger denn je. In den nächsten zwölf Monaten wird man in den Umfragen noch wilde Achterbahnfahrten erleben.

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