Eric Baumann müsste längst tot sein, hätten die Ärzte mit ihren Prognosen recht behalten. Aber er wehrt sich mit Lebensmut gegen das Unausweichliche.

Die Geschichte von Eric Baumann kam mir in den Sinn, als ich Punkt 16 des CVP-Reformpapiers zum Gesundheitswesen las: Eine «Verlängerung des Lebens um jeden Preis», heisst es dort, sei «bei schwerwiegenden Fällen fehl am Platz».

Welche Geschichte kommt Ihnen in den Sinn, liebe Leserinnen und Leser? Fast jeder Mensch hat einen Ver-wandten oder einen Freund, der an Krebs erkrankt oder daran gestorben ist.

Krebs ist mit 26 Prozent die zweithäufigste Todesursache in der Schweiz, nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen (37%).

In den letzten Wochen war viel von der Explosion der Krankenkassenprämien die Rede. Heute zahlt eine vier-köpfige Familie Monat für Monat rund 800 Franken Prämien. Nächstes Jahr werden es 900 bis 1000 Franken sein.

Verzweifelt suchen die Politiker nach Auswegen. Bundesrat Pascal Couchepin dürfte mit vielen seiner Vorschläge, die er diese Woche vorgestellt hat, im Parlament scheitern. Und nun bricht die CVP mit einem Tabu: keine Lebens-verlängerung mehr um jeden Preis.

Wirtschaftlich hat die CVP recht. Mit der bisherigen Pflästerlipolitik bekommen wir die Gesundheitskosten nicht in den Griff. Sondern nur mit Leistungseinschränkungen.

Ethisch muss die Debatte erst noch geführt werden. Würden Sie bei Ihrer Frau, Ihrem Sohn, Ihrer Mutter zulassen, dass man die Behandlung abbricht, wenn sie oder er Krebs hat? Und wie wäre es, wenn Sie selber ein «schwerwiegender Fall» wären?

Mehr als vier Jahre sind vergangen, seit Eric Baumann das vermeintliche Todesurteil vernommen hat. Eric Baumann lebt noch immer. Hoffentlich noch sehr lange.