Der Kommentar: Ging es in den Gesprächen in San Francisco oder im Silicon Valley um Donald Trump, kam irgendwann die Schweiz ins Spiel. «Könnt ihr Trump nicht in die Schweiz mitnehmen?», fragte ein US-Professor. Und eine Lehrerin wollte wissen: «Hätte Trump in der Schweiz eine Chance, gewählt zu werden?» Hinter der Frage, die wie eine harmlose Spielerei daherkommt, steckt Fassungslosigkeit. Wie nur konnte es so weit kommen, dass Trump ernsthafte Chancen hat, 45. US-Präsident zu werden?

Hätte Donald Trump eine Chance, Bundesrat zu werden? Ein Mann, der sich selbst als mehrfacher Milliardär bezeichnet, bei dem die Öffentlichkeit aber nicht weiss, ob er nicht tatsächlich nur millionenschwer ist? Ein Mann, der als Unternehmer viermal in Konkurs ging? Ein Mann, der nie ein politisches Amt ausübte? Ein Mann, der eine Mauer bauen will? Ein Mann, der als pathologischer Lügner gilt? Ein Mann, der permanent beleidigt? Ein Mann, dessen Bekanntheit auf seiner Rolle als «Hire-and-Fire»-Gastgeber der TV-Reality-Show «The Apprentice» fusst? Ein Mann, der nur ein Lebensmotto zu haben scheint: «Ich.»

In der Schweiz gleicht Trump am ehesten Lega-Gründer Giuliano Bignasca: Er war ein sozial-national ausgerichteter, unflätiger, aber politisch erfolgreicher Selfmade-Man. Bignasca hätte aber nicht den Hauch einer Chance gehabt, Bundesrat zu werden. Zu ernsthaft wird in der Schweiz Politik betrieben. Zu gefestigt ist die direkte Demokratie. Und zu wenig polarisiert ist das Land im Vergleich zu den USA von heute. Einen Trump-Vorläufer gibt es in unmittelbarer Nähe aber sehr wohl: Silvio Berlusconi. Wohin das geführt hat, lässt sich in Italien besichtigen.

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