Der Kommentar: Konrad Hummler ist nicht nur Teilhaber der ältesten Schweizer Privatbank (Wegelin & Co., St. Gallen), er ist auch Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbanquiers. Sein Wort trägt entsprechendes Gewicht, seine Botschaften lassen an Deutlichkeit nichts offen. Darum erstaunt es mich sehr, dass die «Bombe», die er dieser Tage fallen liess, keine grossen Wellen in der Schweiz geschlagen hat.

Für viele Anleger hat er etwas Ungeheuerliches kundgetan: «Raus aus Amerika, schmeisst alle US-Wertpapiere aus euren Depots!», liess er lautstark wissen. Und doppelte gleich mit entsprechenden Instruktionen an seine Mannschaft nach: Schon in wenigen Monaten sollen die Depots der Bank «frei von jeglichen amerikanischen Papieren sein».

Wie sehr spricht er mir aus dem Herzen. Ich habe schon vor vielen, vielen Jahren sämtliche amerikanischen Wertpapiere aus meinem Depot und aus dem Familienfonds gekippt. Ausnahmslos. Und bin damit sehr gut gefahren. Als ich 1953 an der Börse anfing, galt der US- Dollar noch als Inbegriff der Solidität. Kein Depot, das nicht mit amerikanischen Aktien und Obligationen vollgeladen war.

Der Greenback galt – unterlegt durch Gold und Silber – stolze 4.35 Fr. Ein sakrosankter Kurs, der durch alle Böden hindurch verteidigt wurde. Am meisten von unserer gläubigen Nationalbank. Unser Gold lag in Fort Knox, unser Heil im Dollar. Doch schon in den Sechzigerjahren begann der Abstieg. Die Silberdeckung des Dollars wurde aufgehoben, der unaufhaltsame Abstieg begann.

Damals waren die ersten Rauchsignale unmissverständlich: Die USA lebten auf Pump und würden sich laufend mehr und unaufhaltsam verschulden. Zeit, sich zu verabschieden. Wenn ich denke, dass die damaligen Wertschriften allein aufgrund des heutigen Dollarkurses nur noch ein Viertel wert sind . . .

Dabei haben wir das Ende der Strasse noch lange nicht erreicht. Ich habe die letzten Wochen den nordamerikanischen Kontinent bereist. Und frappante Gegensätze festgestellt, die für meine weiteren Börsenüberlegungen richtungweisend sein werden. Amerikas Schulden und Probleme haben eines gemeinsam: Sie nehmen im Quadrat zu!

In Kanada musste keine einzige Bank saniert werden, in den USA werden es nach letzten Schätzungen 600 sein. Die Kanadier nabeln sich laufend von der Abhängigkeit zu Amerika ab. Mit ihren Rohstoffreserven werden sie in den kommenden Jahren eine Wachstumsnation werden und sich wohltuend von den Yankees abheben. In Mexiko wurde der grosse Bruder noch nie besonders geliebt. Auch wenn er die wirtschaftliche Hoffnung von Millionen von Mexikanern war und bleibt.

Der Zorn der Mexikaner hat in den letzten Wochen an Intensität zugenommen. Angeregt durch das energische amerikanische Pochen auf Steuertransparenz – der schweizerische Kotau war in der Öffentlichkeit in aller Munde – wollten die Mexikaner Gleiches für sich beanspruchen. Sie erfrechten sich, von den Amerikanern Aufschluss über die mexikanischen Gelder in den USA zu verlangen. Da kamen sie an die falsche Adresse!

Ein Aufschrei aus Texas genügte, um in Washington jede mexikanische Initiative zu killen. Der ganze Gürtel von Texas lebt zu einem bedeutenden Teil von mexikanischen (Flucht-)Geldern. Und die lässt man sich nicht mit läppischen Anfragen eines lästigen Nachbarn vergrämen. «Schliesslich kann jeder mit seinem Geld machen, was er will», liess mich ein erzürnter texanischer Banker wissen. Die Schweiz und deren Bankkunden kann er dabei wohl nicht gemeint haben.

Der für viele ungeheuerliche Schritt von Konrad Hummler ist für mich im Sinne der alten Schweizer Tradition: «Wir wollen keine fremden Vögte!» Genug ist genug: Es ist Zeit, dass Amerika realisiert, dass die Zeiten der Vormachtstellung in der politischen und wirtschaftlichen Welt vorbei sind. Die Amerikaner haben Mühe, sich einzureihen. Wir können ihnen dabei helfen. Der Fingerzeig ist deutlich: «Good bye, America!»