Kurzfristig freuen wir uns darüber: Das Bevölkerungswachstum steigert das Bruttoinlandprodukt, die AHV-Einnahmen und den Wert unserer Immobilien. Darum trichtern uns die Wirtschaftsverbände und die meisten Parteien seit Jahren ein, die Personenfreizügigkeit sei ein Segen für das Land.

Und doch spüren wir: Es kann so nicht weitergehen. Innerhalb von zehn Jahren nahm die Schweiz um 700 000 Einwohner (+ 9,6 Prozent) zu. In Österreich waren es 4,2 Prozent, in Frankreich 5,9 Prozent, in Italien 6,5 Prozent. Deutschland schrumpfte. Die Schweiz ist dicht besiedelt, die Grünflächen schmelzen dahin, wie unsere Luftaufnahmen zeigen. Und die Infrastruktur kommt an den Anschlag.

Wer dieses Wachstum kritisch hinterfragte, galt bis vor kurzem entweder als wirtschafts- oder als ausländerfeindlich. Wir erleben gerade, wie sich das ziemlich spektakulär ändert. Die Zürcher SP-Nationalrätin und Unternehmerin Jacqueline Badran sagt heute klipp und klar: «Mehr als 8 Millionen Einwohner sind nicht wünschbar.». Und der freisinnige Gemeindepräsident Markus Flury von Oensingen SO lehnt den Zuzug von Firmen ab, wenn sie zu viel Landfläche beanspruchen.

Die politisch korrekten Lösungen lauten: Verdichtet und in die Höhe bauen, Schutz vor Lohndumping wegen der Freizügigkeit, staatlicher Wohnungsbau in den teuren Städten. Das ist gut und recht, langfristig aber Symptombekämpfung. Die Schweiz wird nicht umhin kommen, das Bevölkerungswachstum zu drosseln. Und weil die Ein-Kind-Familie ein Irrwitz wäre und weil 80 Prozent der Bevölkerungszunahme durch die Immigration bedingt ist, lautet die unbequeme Wahrheit: Es geht nur mit weniger Zuwanderung.

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