Der Kommentar: Der Präsident der Finma, Eugen Haltiner, hat seit seiner Amtsübernahme ein Problem: Ihm wird vorgeworfen, er pflege zu grosse Nähe zu seinem früheren Arbeitgeber UBS.

Heikel wurde die Situation letzten Februar, als die Finma auf Anordnung Haltiners 255 Kundendaten an die USA lieferte. Gleichentags erschien ein Finma-Bericht, der der ganzen UBS-Führungsriege bezüglich der kriminellen Aktivitäten in den USA einen Persilschein ausstellte – obwohl die UBS gleichzeitig in den USA unterschreiben musste, dass sie sich schuldig gemacht hat.

Genau gleich war es beim Finma-Bericht Mitte September. Dort wurde mehrmals festgestellt, dass die UBS der Finma und der Öffentlichkeit falsche Angaben geliefert hatte. Doch gelogen habe die UBS nicht, behauptet die Finma.

Und dies im vollen Wissen darum, dass innerhalb der UBS die Kenntnis um das Ausmass des Debakels vorhanden war. Die Antworten, welche die Finma nun auf die 7 Interpellationen des Nationalrats Philipp Müller liefert, muten teilweise geradezu grotesk an.

So sagt die Finma etwa, man verlange von den Schweizer Banken mehr Eigenkapital als laut internationalen Vorschriften nötig. Der Grund seien die vielen Ausnahmen. In ihrer Antwort auf die Frage, was denn das für Ausnahmen seien, sagt die Finma wörtlich: «Derartige Ausnahmen gelten nicht, sondern sie geschehen.»

Offenbar stellte man im Nachhinein jeweils fest, dass die Verluste viel höher waren, als sie laut Modellrechnung sein dürften. Laut Finma wurden die Risiken nicht richtig erfasst. Aber statt einzugreifen, liess man alles weiterlaufen und erhöhte einfach die Eigenmittelanforderungen.

Das ist, wie wenn man ein Auto mit kaputtem Tacho nur 30 statt 60 fahren lässt. Wenn es dann aber mit 120 erwischt wird, dann wird nicht gebüsst, weil der Fahrer ja keinen funktionierenden Geschwindigkeitsmesser hatte. Müller hat Recht, wenn er sich mit solchen Antworten nicht zufrieden gibt und eine unabhängige Überprüfung fordert.