Der Kommentar: Die Weltbevölkerung verbraucht derzeit die natürlichen Ressourcen von 1,3 Erden. Das heisst, wir leben massiv über unseren Verhältnissen und überfordern damit das Öko-System. In Zukunft wird der Verbrauch eher noch zu- als abnehmen: Wenn zum Beispiel die Bevölkerungen von China und Indien auf unserem Wohlstandsniveau leben würden, dann wären dafür die Ressourcen von zwei Erden notwendig. Da wir über diese Reserven nicht verfügen, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Dabei empfiehlt es sich, das Nächstliegende zu tun. Und das ist, mit den Ressourcen, die wir haben, einfach sparsamer umzugehen.

Dabei muss man keineswegs auf Wohlstand verzichten, wie die Schweiz oder Deutschland beweisen. Sie sind international gesehen sparsam im Umgang mit Energie und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich. Gelänge es, diesen Umgang mit Energie auch in den USA und China durchzusetzen, dann würde sich der weltweite Energieverbrauch sofort um 21Prozent und der Ausstoss von Treibhausgasen um 25 Prozent verringern.

Aber auch bei uns sind die Einsparmöglichkeiten bei weitem noch nicht ausgeschöpft: Eine Siemens-Studie zeigt, dass die energetische Sanierung aller Gebäude der Stadt München im Lauf der nächsten 50 Jahre rund 3 Milliarden Euro kosten würde. Die Energieeinsparungen würden jedoch gleichzeitig 30 Milliarden Euro betragen. Wenn wir diese Zahlen in einer einfachen Überschlagsrechnung auf Zürich übertragen, dann ergeben sich eindrückliche Zahlen: Die Investitionen würden im gleichen Zeitraum etwa 6 bis 7 Milliarden Franken, die Einsparungen rund 15 Milliarden Franken betragen.

Nachhaltige Spitzentechnologien reduzieren nicht nur die Energiekosten und Emissionen – sie sichern auch Arbeitsplätze. Anders gesagt: Die beiden grössten Herausforderungen dieser Tage sind eng miteinander verknüpft. Auf der einen Seite haben wir aktuell eine hohe Arbeitslosigkeit und ein zu geringes Wirtschaftswachstum. Andererseits sind die langfristigen Herausforderungen der zu hohe Ressourcenverbrauch und der Klimawandel. Das Gute ist: Wir können diesen beiden Bedrohungen gleichzeitig begegnen, indem wir, wo immer es geht, heute verfügbare, energieeffiziente Technologien einsetzen. Denn nachhaltige Spitzentechnologien reduzieren nicht nur die Energiekosten und Emissionen, sondern sie sichern Arbeitsplätze. Ökologie ist also nicht in erster Linie als «grüne Politik» zu verstehen, sondern als wirtschaftliche Chance.

Der Klimawandel ist eine Tatsache. Statt ihn zu leugnen, sollten wir ihn also ganz pragmatisch nutzen. Die EU hat sich bis 2020 zum Ziel gesetzt, 20 Prozent Treibhausgase zu reduzieren, 20 Prozent der gesamten Energie mit erneuerbaren Energien bereitzustellen und den Gesamtenergieverbrauch um 20 Prozent zu senken. Ehrgeizige Ziele, die aber durchaus realisierbar sind, denn die meisten Investitionen rechnen sich über kurz oder lang, wie das Beispiel von München beweist. Die Fakten sind eindeutig: Der Markt für energieeffiziente Produkte wird in den kommenden Jahren mit fast 13 Prozent pro Jahr überdurchschnittlich wachsen. Bis 2020 wird das weltweite Marktvolumen sage und schreibe mehr als 2100 Milliarden Euro betragen. Wenn die Schweiz es schafft, im Cleantech-Bereich Vorreiterin zu sein, werden wir diesen Erfolg auch in ausländische Märkte tragen können.

Hocherfreut bin ich darum, dass sich der Bundesrat letzte Woche zur Ökologisierung der Wirtschaft bekannt hat. Insbesondere das Ziel, dass die Schweiz in ausgewählten Bereichen der Cleantech-Forschung zur Weltspitze gehören soll, stimmt mich zuversichtlich. Die Umsetzung wird nicht einfach sein, doch wir sind in einer einzigartigen Ausgangsposition: Um unser Bildungssystem beneiden uns viele, aber es braucht immer wieder Visionen, neue Impulse und hochgesteckte Ziele. Darum wird die Schweizer Wirtschaft vom zusätzlichen Wissen, das im Zug des Masterplans an den Hoch- und Fachhochschulen geschaffen wird, enorm profitieren können.

Die externen Kolumnisten und Kommentatoren des «Sonntags» äussern in ihren Beiträgen ihre persönliche Meinung.