Der Kommentar: Taufe, Konfirmation oder Firmung, Hochzeit, Beerdigung. Mindestens bei diesen Anlässen kommen wir in Kontakt mit der Kirche. Manche noch mehr, die meisten noch weniger. Ansonsten gibt es keine Berührungspunkte mit der Kirche. Warum?

Die Kirchen sind verloren in der heutigen Moderne. Die katholische Kirche reagiert reaktionär auf geforderten Fortschritt (Frauen in der Kirche) und der reformierten Kirche laufen die Anhänger zur Freikirche davon. Diese bieten Gemeinschaftsgefühl, Geborgenheit, und das alles leichtfüssig. Dort singt man zusammen, organisiert Anlässe und trifft sich auch ausserhalb der Begegnungsstätte.

Andere Länder machen es vor: In Südamerika oder Afrika sind Kirchen Ort der Geborgenheit, aber eben auch des Lebens. Dort wird gefeiert, gelacht und getanzt. Unsere Landeskirchen haben es verpasst, ihre Rolle in der Moderne neu auszurichten. Das bedeutet: Aktionen, die auch junge Menschen ansprechen, organisieren, mit ungewöhnlichen Veranstaltungen auf sich aufmerksam machen, offen sein für Unkonventionelles.

Viele Landeskirchen wissen nicht, wie sie ihren Glauben an den Mann und an die Frau bringen können. Sie gehen davon aus, dass der Ruf Gottes seine Schäfchen von alleine erreicht. Doch die Welt dreht sich anders, die Gesellschaft ist vielschichtiger geworden. Wir leben individueller, schneller, oberflächlicher. Andererseits suchen wir nach Tiefsinn, echten Werten und Tradition.

Es gibt indes Bestrebungen, wie sie die Katholiken im vergangenen Jahr mit einer Sonderschau an der Zuger Messe gezeigt hatten. Das Motto «Offene Kirche». Das wurde wörtlich umgesetzt: Alle Pfarreien stellten dafür ihre Kirchentür zur Verfügung, die aufs Gelände transportiert und an der Sonderschau ausgestellt wurde. Zurück blieben buchstäblich offene Kirchen. Auch wenn die Idee mehr symbolischer Natur war, hat sie die Aufmerksamkeit der Besucher abgeholt.

Und genau das sollten die Kirchen machen: die Neugierde der Menschen auf den Glauben, die Liebe und die Hoffnung wieder wecken.