Noch ist die Lage verworren, aber eines scheint klar: Janukowitsch ist weg. Es war in allererster Linie das Volk, das den Despoten gestürzt hat, unter grossen Opfern: Mehr als 80 Menschen starben bei den Protesten. In zweiter Linie war es der internationale Druck, der gewirkt hat. Die Aussenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens bereiteten mit ihrer Vermittlung am Freitag den Weg für den Machtwechsel. Nicht am Verhandlungstisch sass die EU: Deren Aussenbeauftragte Catherine Asthon war abwesend.

Aus Schweizer Sicht ist die Beobachtung unvermeidlich: In den vergangenen zwei Wochen, als sich die Krise in der Ukraine zuspitzte und man einen Bürgerkrieg befürchten musste, schien der EU das «Problem» Schweiz wichtiger als die Krise in der Ukraine. Obwohl es dort um ureigenste europäische Interessen geht: Der ganze Konflikt entzündete sich ja an der Frage, ob die Ukraine sich nach Europa oder nach Russland orientieren soll.

Just in diesen weltpolitisch dramatischen Tagen kam fast täglich eine neue Drohung aus Brüssel an die Schweiz, weil es das Volk gewagt hatte, gegen die Personenfreizügigkeit abzustimmen. EU-Kommissionspräsident Barroso lud Schweizer Journalisten zum Gespräch und erteilte eine Abreibung. Kurz bevor in Kiew die ersten Demonstranten niedergemetzelt wurden.

Wenn es um Sein oder Nichtsein geht, spielen in Europa noch immer die Nationalstaaten die entscheidende Rolle. Janukowitsch knickte ein, als Deutschland, Frankreich und Polen nach Kiew reisten. Die EU hatte davor nichts erreicht. Vor zwei Jahren erhielt sie den Friedensnobelpreis. Dessen erwies sich die EU diese Woche unwürdig.

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