Unter Ueli Maurer als SVP-Präsident (1996 bis 2008) wurde die einstige Bauernpartei zur wählerstärksten Kraft, er selber dann zum Bundesrat. Dank oder trotz den Medien, je nach Standpunkt.

Dieser Ueli Maurer hat am Verlegerkongress in Interlaken, dem Gipfeltreffen der Schweizer Medienbranche, zum Rundumschlag ausgeholt. «Pfusch, Manipulation, Totschweigen» seien bei den Medien an der Tagesordnung, sagte er.

«Kommentar, Unterhaltung, Satire und Information werden vermischt. Einem Winzer würde man Panscherei vorwerfen, das Erzeugnis vom Markt nehmen, den Produzenten bestrafen.»

Interessant dabei: Alles, was Ueli Maurer den Medien vorwirft, könnte man auch seiner SVP vorwerfen – die Art und Weise, wie die Partei Wahlkämpfe führt und mit politischen Gegnern umgeht, ist, gelinde gesagt, nicht gerade von Sachlichkeit geprägt.

Kommt hinzu, dass Ueli Maurer zugibt, kaum Zeitung zu lesen, kein Radio zu hören und noch nie eine «Tagesschau» gesehen zu haben. Woher will er wissen, dass die Medien, wie er es formuliert, ihre demokratische Funktion nicht wahrnehmen?

Es wäre nun aber zu billig, Maurers Schelte als pure Polemik abzutun. In vielem hat er recht. Etwa, wenn er «Schnellschüsse, Sofort-Geschichten, Sofort-Erklärungen» anprangert. Nur: Diese Mängel sind doch vor allem in Gratis- und Online-Medien ein Problem.

Maurers Bild von Medien ist geprägt von seinem eigenen Medienkonsum, wie er ihn im Interview beschreibt: Morgens kurz die Online-Portale checken und die eine oder andere Zeitung durchblättern. Mehr nicht.

Ueli Maurers Kritik sollte für uns Journalisten Anlass sein, die eigene Arbeit zu hinterfragen. Das tun wir viel zu wenig. Und Ueli Maurer sollte nicht nur surfen, sondern auch Zeitungen lesen – vielleicht ändert sich dann sein Bild von den Medien.