Der Kommentar: Auf Einladung von Saab informierten sich Journalisten über den neuen Gripen E/F. Eine Reise, welche die Augen öffnete. Für die professionelle Arbeit des Flugzeugherstellers. Aber auch für die vielen Fragen, welche die Evaluation auf Schweizer Seite hinterlässt. Der Nachgeschmack ist schal.

Fast unglaublich mutet an: Die Schweiz will 22 Flieger eines Typs für 3,1 Milliarden kaufen, den sie nicht mit eigenen Testpiloten geflogen hat. Zurzeit existiert nur ein Demonstrations-Exemplar des Gripen E/F. Saab hält es für Tests bereit. Die Schweiz wollte davon nichts wissen. Dabei gilt als selbstverständlich: Wer ein neues Auto kauft, testet es persönlich. Die Unterlassung erhält zusätzliche Brisanz, weil umstritten ist, ob der Gripen E/F ein neues Flugzeug ist oder nur eine Weiterentwicklung des C/D-Modells. Res Schmid, heute VBS-Berater und 2008 Cheftestpilot, spricht von einer «starken Weiterentwicklung».

In Schweden sieht man das anders. «Das ist ein brandneuer Flieger mit einer neuen Idee», sagt Peter Nilsson, Chef der Saab-Luftfahrt. Es sei wie der Schritt vom Handy zum Smartphone. Mögliche Folge: Die Schweiz finanziert Kinderkrankheiten mit. Unklar ist sowieso, wie stark sich die Schweiz an Entwicklungsschritten des E/F beteiligen muss. In Schweden erwartet man das. Das seien «sehr wettbewerbsfähige Konditionen», sagt Magnus Gustafsson von der schwedischen Verteidigungs-Export-Agentur FXM. Zahlen will er aber keine nennen.

Eines setzt der Evaluation die Krone auf. Ausgerechnet SVP-Bundesrat Ueli Maurer verhandelte nicht, was Schweden der Schweiz politisch bieten kann. Obwohl er eine Milliarden-Partnerschaft über Jahrzehnte eingehen will. In einer Zeit, in der die Schweiz international massiv unter Druck steht. Das lässt nur ein Fazit zu: nachsitzen.

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