Der Kommentar: Der Gedanke daran, dass meine Versicherung weiss, wie ich Auto fahre, verursacht mir ein ungutes Gefühl. Was geht es sie an, ob ich gerne hochtourig fahre? Und ob ich das seitwärts Einparkieren beherrsche? Einmal mehr will jemand an unsere Daten ran. So wie die Geheimdienste, die unsere E-Mails mitlesen. Oder die Migros, welche die Cumulus-Einkäufe analysiert. Oder Google, das längst weiss, wofür wir uns interessieren. Und hat mir nicht gerade Amazon eine DVD empfohlen, die mir gefallen könnte?

Unsere Gesellschaft hat den Point of no Return längst überschritten; die absolute Privatsphäre ist abgeschafft. Umso wichtiger ist es, darüber zu reden, welche Daten wir wie stark schützen wollen. Ein Kriterium dafür ist die Freiwilligkeit. Ich kann mich nicht der Überwachung durch den Geheimdienst entziehen, und wenn die Post meine Adressdaten verkauft, habe ich auch keine Alternative zur Hand. Aber wenn mir die Cumulus-Karte nicht behagt, kann ich sie zu Hause liegen lassen.

Warum aber soll die Versicherung mein Fahrverhalten überhaupt analysieren müssen? Es gibt eine einfache Antwort darauf: Weil es sie gerechter macht. Versicherungen sollen Risiken abdecken, die wir nicht steuern können – wie Krankheit, Einbrüche oder Unfälle. Meinen Fahrstil jedoch kann ich beeinflussen. Ich kann entscheiden, wie oft ich Auto fahre und wie riskant. Warum soll das nicht meine Prämie beeinflussen? Letztlich ist es gerechter, Prämien aufgrund solcher Daten zu berechnen als aufgrund von Alter, Geschlecht und Nationalität, wie es heute getan wird. Denn dafür können wir nun wirklich nichts.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!