Der Kommentar: Ueli Haldimann, der vorübergehende Direktor des Schweizer Fernsehens, war schon vor 25 Jahren ein Kulturpessimist. 1985 schrieb er im «Tages-Anzeiger»-Magazin: «Es ist heute fast unmöglich, wirklich neue Programmideen zu realisieren, weil alles schon mal gemacht wurde.» Mit diesem Zitat konfrontiert, bekräftigte Haldimann kürzlich in der Fernsehzeitschrift «Tele»: «Grundsätzlich stimmt das. Alle, die selbst heute noch sagen, sie hätten etwas wirklich Neues erschaffen, übertreiben stark. Denn in den meisten Fällen handelt es sich höchstens um eine Variation von etwas Bestehendem.»

Wer so argumentiert – Haldimann ist beileibe nicht der Einzige –, spornt seine Programmentwickler nicht gerade zu Höchstleistungen an. Und so starren denn alle TV-Unterhaltungschefs dieser Welt auf die Niederlande, wo Endemols Fernsehfabrik am laufenden Band neue Formate ausspuckt. Gelingt es diesen immer gleichen, immer wieder neu verpackten Produkten nicht, das Publikum auf Anhieb zu interessieren, werden sie sofort aus dem Programm gekippt. Hält sich eine Sendung über längere Zeit, wird sie umgehend in ganz Europa im Lizenzverfahren nachproduziert. Der Geschmack der Niederländer bestimmt letztlich, was für Konfektionsware wir hier zu sehen bekommen. Weil es sich an Schonkost gewöhnt hat, ist das Publikum genügsam geworden.

Neue Ideen wären das Eine. Etwas anderes ist die Fähigkeit, einer Show die ihr angemessene Zeit zu geben. Hat sie echtes Potenzial, muss sie sich entwickeln können. Dazu brauchen die Fernsehverantwortlichen Geduld. Und wenn die Zuschauerzahlen nicht auf Anhieb stimmen und die Kritik schlecht ist, brauchen sie zusätzlich Standhaftigkeit. Umgekehrt braucht es eine gewisse Grösse, einer noch erfolgreichen Sendung rechtzeitig den Strom abzustellen. Bevor sie Patina ansetzt und bevor der Zuschauer ihrer überdrüssig wird. Diese Kunst nennt man Timing.

In den letzten Jahren hat das Schweizer Fernsehen wenig Flair für Timing bewiesen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Die Sitcom «Flamingo» wurde abgesetzt, bevor sie sich etablieren konnte. «Benissimo» wird im Programm gehalten, obwohl das Verfalldatum längst überschritten ist.