Trump macht alles anders als sein Vorgänger Barack Obama. Eine solch krasse Wende – sei es in der Wirtschafts-, Aussen-, Sozial- oder Einwanderungspolitik – hat man nach Regierungswechseln kaum je gesehen. Ist eine solche «Revolution» auch in europäischen Ländern denkbar? Am ehesten wohl in Frankreich, wo Marine Le Pen vom Front national im Fall eines Siegs die Politik total umkrempeln würde. Sie liesse umgehend über einen Austritt ihres Landes aus der EU abstimmen. Doch Le Pens Chancen, am Ende wirklich Präsidentin zu werden, sind begrenzt. Den ersten Wahlgang dürfte sie gewinnen, aber in der Stichwahl scheint sie keinen Stich zu haben (es sei denn, die Umfragen liegen in Frankreich noch viel, viel weiter daneben als in den USA).

Auch Deutschland wählt dieses Jahr. Von «Wende» kann dort keine Rede sein. Entweder bleibt Angela Merkel (CDU) Kanzlerin, oder sie wird von Martin Schulz (SPD) verdrängt. Spielt es eine Rolle? Beide machen eine sehr ähnliche Politik, beide stehen für eine Willkommenskultur in der Asylpolitik, beide versuchen sich als Anti-Trumps zu profilieren: als die letzten vernunftgeleiteten Führungsfiguren des Westens. Die deutsche Zeitung «Die Welt» hat getitelt: «Schulz und Merkel unterscheidet nur der Bart.»

Eine Demokratie lebt davon, den Bürgern bei Wahlen eine Auswahl zu bieten. Dass sich die zwei grossen deutschen Parteien so ähnlich geworden sind, ist keine gute Entwicklung und treibt Protestwähler nur in die Arme radikaler Parteien wie der «Alternative für Deutschland». Noch gefährlicher aber ist eine derart extreme Polarisierung wie in den USA zwischen den Republikanern und Demokraten. Sie spaltet das Land zutiefst. Da haben es die Schweizer Wähler gut: Hier gibts weder Einheitsbrei wie in Deutschland noch Schwarz/Weiss wie in den USA. Mit den vier Traditionsparteien FDP, SVP, SP und CVP sowie jüngeren Kleinparteien haben die Bürger eine echte Auswahl.

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