Der Kommentar: Der französische Budgetminister muss nach monatelangem Lügen zurücktreten und stürzt den sozialistischen Regierungschef Hollande in die Krise. Zypriotische Politiker haben Bankkredite nicht zurückbezahlt und Gelder ins Ausland verschoben. Die spanische Königstochter ist in dunkle Geschäfte verstrickt. Und schliesslich taucht eine Festplatte mit 2,5 Millionen Datensätzen auf, die belegt, wie die Schönen, die Reichen und die Mächtigen dieser Welt Steuern hinterziehen.

Eine grosse Gemeinsamkeit haben diese Meldungen: In der Gier sind sie alle gleich, die Etatisten, die Sozialisten, die Royalisten, die Kommunisten, die Rechtsextremisten, die Maoisten und die breite Front der Demokraten. Es spielt keine Rolle, wer wo in welchem System am Ruder ist. Deshalb darf man nun gespannt darauf sein, aus welcher Richtung der Wind der Empörung wehen wird. Denn Profit schlagen aus dieser Entwicklung kann kaum eine Bewegung und kaum eine Partei.

Immerhin bleibt ein positiver Aspekt: Die viel geprügelte Schweiz erscheint in ganz normalem Licht. Im Zusammenhang mit Offshore-Leaks ist sie ein kleiner Fisch in einem Meer von Korruptionshaien, die ausserhalb Helvetiens schwimmen. Bisher stand die isolierte Schweiz bevorzugt am Pranger und wurde als Eldorado der Finanzbetrüger gebrandmarkt, jetzt wird auch dem Letzten klar, dass stolze Nationen und ganze Weltmächte ebenso betroffen sind. Die Regierungen in Europa und in Übersee werden nicht mehr nur externe Sündenböcke benennen können, sondern müssen sich der Selbstreflexion widmen. Dabei muss sich die Schweiz nicht in chauvinistischer Überheblichkeit sonnen. Aber es besteht die Gewissheit, dass sie nicht schlechter, aber auch nicht besser ist als die andern.

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