Antwort von Oswald Grübel: Die konservative Regierung Grossbritanniens hat angekündigt, im Fall einer Wiederwahl in der nächsten Legislaturperiode ein Referendum zur EU-Zugehörigkeit abzuhalten. Ein politischer Schachzug, um sicherzustellen, auch bei der nächsten Wahl wieder die Stimmen der EU-Gegner zu erhalten. Davon gibt es viele, etwa die Hälfte der Wähler.

Gründe dafür sind die Skepsis eines Inselstaates gegenüber anderen, die Geschichte des Vereinigten Königreichs als ehemals einzige Weltmacht, die Abneigung gegenüber der zentralisierten Macht in Brüssel und gegenüber Gesetzen, die sie selbst nicht gemacht haben. Deshalb sind die Briten jetzt auch die grössten Skeptiker des Euros.

Würde ein Austritt Grossbritanniens den Zusammenhalt der EU ernsthaft gefährden? Ich glaube nicht. Er würde natürlich für viel Aufregung sorgen und vielleicht ein paar Änderungen in Brüssel erfordern, aber nicht zur Auflösung führen. Grossbritannien ist ein Sonderfall, es hat sich noch nie als Teil Europas gefühlt. Die Briten bezeichnen Europa immer noch als den «Continent». Ein Austritt wäre nachteilig für die einheimische Industrie, nicht aber für den Rest der EU. Auch die Stellung als grösster Finanzplatz Europas wäre gefährdet.

Deshalb glaube ich, dass, falls es dazu kommt, man versuchen wird, eine Sonderlösung für Grossbritannien zu finden. Der Entscheid Camerons sollte aber auch Brüssel zu denken geben. Die Bürokratie muss reduziert werden. Das können nur die Mitgliedstaaten durchsetzen. Die Wettbewerbsfähigkeit in der EU und im Welthandel muss entschieden verbessert werden. Die Euro-Krise war ein Schuss vor den Bug. Hoffen wir, dass er die EU-Staaten wachgerüttelt hat.

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