Der Kommentar: Sekundenzeiger auf der Bahnhofuhr? Eigentlich unnötig seit der Erfindung der Armbanduhr und noch mehr in Zeiten der Smartphones. Doch weit gefehlt: Nachdem der «Tages-Anzeiger» diese Woche das Verschwinden der Zeiger aufgedeckt hatte, zogen andere Medien nach.

«Armselig», kommentierten die Pendler im Internet. «Ich würde mich als SBB-Manager schämen», schrieb einer, während ein weiterer in einer selten gewordenen Solidarität drei Zeiger aus der eigenen Tasche berappen wollte.

Und nun verschwinden die mechanischen Anzeigetafeln. Den SBB ist nichts mehr heilig!, hört man die Empörten rufen. Wer hat noch nie im Bahnhof auf den verspäteten Kollegen gewartet und dabei das Wechseln der Anzeigeblätter studiert? Wer musste noch nie auf den Zug hetzen, während die Tafel ihr fast schon prosaisches Rauschen von sich gab? Glücklich ein Land mit diesen Problemen, glücklich aber auch ein Bahnunternehmen mit dieser Kundschaft.

Ist das Motzen über die zeigerlose Uhr nicht viel mehr Liebeserklärung als ein Erste-Welt-Problem? Würde die UBS die Schrift ihrer Bancomaten ändern, es bliebe unbemerkt. Bei den SBB hingegen stösst jede Regung auf Kritik. Unverständliche Symbole! Kübel auf Gleis 7 ist voll! Logisch eigentlich: Spätestens seit dem Swissair-Aus sind die Bundesbahnen die vielleicht letzte durchweg positiv besetzte Institution des Landes.

Die Institution lebt aber auch von ihren Symbolen, von Charakteristika und Erinnerungen. Und von lieb gewordenen Details, die sie pflegen sollte wie ein guter Bürger seine Hecke. Und eine Hecke, das weiss nun jeder, wächst auch ans Herz.

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