In entspannten Zeiten ist gegen diesen Kommunikationsstil, der an dunkelste sowjetische Zeiten erinnert, nichts einzuwenden. Geldpolitik ist schlicht zu langweilig, um sich öfter im Jahr mit Zinskurven, Inflationsprognosen und Reposätzen zu beschäftigen. Doch in Zeiten überschiessender Märkte, Frankenaufwertung, Negativzinsen und Massenentlassungen ist das eindeutig zu wenig. Die Verunsicherung ist zu gross, um sich in der Festung Nationalbank zu verschanzen.

Und auch ein Risiko: Mangelnde Kommunikation schürt Misstrauen und untergräbt das Vertrauen in unsere Notenbank. Vertrauen ist die wichtigste Währung eines Bankers, auch die eines Notenbankers. Wenn die Menschen nicht mehr dran glauben, dass ein Stück Papier, auf dem die Zahl 100 gedruckt ist, tatsächlich einen Wert besitzt, können wir einpacken und uns ins Zeitalter des Tauschhandels verabschieden. Der Schaden ist bereits angerichtet: Das Vertrauen ist bereits so stark angekratzt, dass Jordan eine zweite Untergrenze nicht mehr glaubhaft halten könnte.

Heute forderte die stets moderate «Finanz & Wirtschaft» Thomas Jordan unverblümt auf, sich vermehrt der Öffentlichkeit zu stellen und seine Entscheide besser zu vertreten. Das sonst zurückhaltende Finanzblatt verlangt gar, dass sich der SNB-Präsident ähnlich wie seine Kollegen bei der amerikanischen Notenbank in öffentlichen Hearings den Fragen gewählter Politiker stellen sollte. Das ist kein dummer Vorschlag. Entscheide von grosser Tragweite wie derjenige vom 15. Januar müssen einfach besser erklärt werden. Wenn Jordan das nicht kann, ist er der falsche Mann an der Spitze der SNB.

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