Der Kommentar: Die Sage von der Entstehung der Teufelsbrücke bei Göschenen müsste eigentlich jeder Schweizer kennen. Kurzfassung: Die Urner liessen den Teufel die Brücke über die gefährliche Schöllenenschlucht bauen. Doch der Teufel verlangte dafür die Seele des ersten Brückengängers. Dass dann doch kein Mensch starb, war der List eines Bauern zu verdanken, der zuerst seinen Geissbock losschickte. Im Verkehrsdepartement der katholischen Bundesrätin Doris Leuthard, wo die Feier für die Neat-Eröffnung geplant wird, scheint man aber nicht zu wissen, wie verwunschen die Gotthard-Gegend seit je ist. Den staatlichen Organisatoren der Tunnel-Segnung fehlt die Schlauheit der Urner aus dem 13. Jahrhundert.

Zuerst vergassen sie, einen reformierten Pfarrer für die Zeremonie einzuladen. Nur ein Katholik, ein Rabbi, ein Imam und – kein Witz – ein Vertreter der Religionslosen waren vorgesehen, um das Bauwerk zu segnen. Erst nach Protesten der Protestanten wurde am Donnerstag eine «reformierte Pfarrperson», wie es hiess, nachnominiert. Und jetzt auch noch das: Der Imam, den sich die Beamten ausgesucht haben, steht unter Verdacht, Kontakte zu radikalen Muslimen zu haben. Es gibt Bilder, die ihn neben sehr zweifelhaften Islamvertretern zeigen. Nun, eine Gefahr für das Land wird dieser Imam nicht sein. Aber angesichts des 9-Millionen-Budgets für die Eröffnungsfeier wundert man sich schon, wie stümperhaft die Segnung organisiert ist. Da haben die Tunnelarbeiter und Ingenieure einen wesentlich besseren Job gemacht.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper