Der Kommentar: Nicht einmal am Zürcher Paradeplatz ist die Dichte an Geschäftsanzügen so hoch wie an der Piazza Riforma im Zentrum von Lugano. Im Schaukasten einer Bank sind Villen ausgeschrieben, die so teuer sind wie in Zürich. In den edlen Restaurants im Bankenviertel geniesst eine junge Klientel ihren Wohlstand und das Leben.

Ich wähne mich im Zürcher Boom-Quartier Seefeld – einfach mit einer gesunden Prise Italianità. Und frage mich, wieso man diese Seite des Tessins nördlich der Alpen so wenig kennt. In unserem Hotel liegt ein Werbeprospekt auf, der immer noch das alte Tessin-Bild verbreitet: Auf einer Foto, die aus den Siebzigerjahren kommen könnte, sind Palmen zu sehen, und ein paar nordländische Touristen wandern vor dem San Salvatore durch.

Wieso macht das Tessin nicht mehr Werbung für seine junge, moderne Seite? Für eine der lebendigsten Klubszenen Europas etwa. Für seine spannenden, aber wenig bekannten Museen. Für seine Architektur. Zürich machte es vor zehn Jahren vor. Jetzt boomt dort der Tourismus.

Wenig bekannt ist nördlich der Alpen auch, welche Aufbruchstimmung die Wirtschaft abseits des Finanzplatzes und Tourismus erfasst hat, getrieben von innovativen, forschungsintensiven Branchen. Rund um Lugano tummeln sich Pharma- und Elektronikfirmen, die so hohe Löhne zahlen wie die Konkurrenz in Basel und Zürich. Doch der Kanton hat das bisher im In- und Ausland nur wenig bekannt gemacht. Jetzt forciert er sein Standortmarketing. Spät, aber hoffentlich nicht zu spät, um das Tessin zur Kenntnis zu nehmen.

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