Der Kommentar:Wenn ausgerechnet der besonnene und zurückhaltende deutsche Innenminister Thomas de Maizière vor die Presse tritt und vor einem Terroranschlag im eigenen Land warnt, ist die Lage ernst. Seine Kernbotschaft («Es gibt Grund zur Sorge, aber keinen Grund zur Hysterie») zeigt das Dilemma, in dem Regierung und Sicherheitsbehörden stecken.

Man will informieren, aber Panik vermeiden. Gleich zwei aktuelle Warnungen haben die Behörden aufgeschreckt: ein Tipp des amerikanischen Geheimdienstes, wonach ein Terrorkommando in Deutschland einen spektakulären Anschlag verüben will, sowie eigene Ermittlungen des Bundeskriminalamts. Dies hat zu einer Neubewertung der Gefahrenlage geführt.

Es ist Ironie des Schicksals, dass just der Innenminister, der bei seinem Amtsantritt vor Alarmismus gewarnt hatte, jetzt einen signifikanten Positionswechsel vornimmt. Die Anschlagsgefahr ist nicht mehr abstrakt, sondern konkret. Und die Behörden befürchten das Schlimmste. Vor diesem Hintergrund versucht die deutsche Politik einen waghalsigen Spagat.

Man muss die verstärkte Polizeipräsenz samt schwerer Bewaffnung erklären, aber keine Panik auslösen und schon gar keine antiislamischen Ressentiments schüren. Gleichzeitig will die Bevölkerung geschützt werden, obwohl sich alle Experten einig sind, dass ein absoluter Schutz unmöglich ist.

Die momentane Bedrohungslage ruft geradezu nach einem präventiven Eingreifen. Schon hat eine politische Debatte um elektronische Fussfesseln für Gefährder oder Handyverbot für islamistische Fanatiker begonnen. Auch das Thema Vorratsdatenspeicherung wird wieder ins Spiel gebracht, damit die Behörden feststellen können, wer mit wem telefoniert oder übers Internet kommuniziert.

Die Polizeigewerkschaft fordert die Inhaftierung von Gefährdern, die in Terrorcamps waren. Das ist derzeit unmöglich, weil die Behörden erst eine Anschlagsplanung nachweisen müssen, um einen Verdächtigen verhaften zu können. So setzen die Sicherheitskräfte primär auf Aufklärung und Überwachung: durch die Geheimdienste, die Bundespolizei, per Video auf Bahnhöfen und Flughäfen und durch Live-Telekommunikationsüberwachung. Die sichtbare Präsenz von Polizisten soll die Bürger beruhigen, die unsichtbaren Massnahmen sollen die Gefahr ausschalten. Ein Katz-und Maus-Spiel ohne Erfolgsgarantie.