Am Mittwoch versenkte das EU-Parlament das umstrittene Urheberrechtsabkommen ACTA. Das «Anti-Counterfeiting Trade Agreement» hätte zur schlagkräftigen Waffe der Unterhaltungs- und Medienindustrie im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet werden sollen. Das Gegenteil passierte: ACTA politisierte die Jugend und hat aus der Sicht derer, die mit Urheberrechten Geschäfte machen, ein fürchterliches Monster geboren: die Piratenpartei.

Jetzt hat das Monster gewonnen. «Sieg der Meute», titelte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ). «Ein hirnloses Einknicken der Politik vor ein paar wenigen, radikalen Vertretern einer inakzeptablen Gratiskultur», tobte der Chef des deutschen Art-Directors-Club (ADC).

Für die Musikindustrie, aber auch für viele Verlage, liebe Leserin, lieber Leser, sind Ihre Kinder Kriminelle, weil sie im Internet Musik, Texte und Bilder teilen. Laut einer Studie verletzt der durchschnittliche Jugendliche auf seiner Facebook-Seite Urheberrechte im Wert von 12 000 bis 16 000 Franken. Müssen Sie sich deswegen ein Gewissen machen?

«Das Urheberrecht ist eine Erfindung der Geschäftswelt, nicht der Autoren.
Es schützt das Geschäft und nicht die Urheber. Meine Idee ist die Idee des Teilens», sagte diese Woche Schriftsteller Paulo Coelho in einem «Zeit»-Interview. Auch ich gehöre als Verfasser dieser Zeilen zu den Urhebern, die Kolumne untersteht dem Urheberrecht. Meine Botschaft an Ihre Kinder ist: Kopiert mich! Teilt mich! Macht mich glücklich!

Wem es um die Verbreitung von Inhalten geht und nicht ums Geschäft, liebe Leserin, lieber Leser, der liebt Ihre Kinder!

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