Der Kommentar: Auf dem Titelbild der neusten Ausgabe der neokonservativen Zeitschrift «Weekly Standard» legt der Republikaner den Amtseid als US-Präsident ab – flankiert von Gattin Melania im Leopardenkostüm. Titel des Beitrags: «Wenn das Unvorstellbare eintritt.» Zwar ist der Artikel keinesfalls als Billigung Trumps zu verstehen. Er zeigt aber, dass sich auch die parteiinternen Widerstandskräfte darauf einrichten, dass der krude Populist am Parteitag im Juli den Kampf um die Nomination zum Präsidentschaftskandidaten gewinnen könnte.

Das hat auch damit zu tun, dass den Trump-Gegnern eine Integrationsfigur fehlt. Ted Cruz, Senator aus Texas und einziger ernstzunehmender Kontrahent des New Yorkers, ist vielen Parteifreunden ein Dorn im Auge – weil er den Eindruck hinterlässt, er sei nicht nur gescheiter, sondern besitze auch mehr Rückgrat als seine Landsleute. Immerhin hat Cruz den Ernst der Lage erkannt; gleich dreimal griff er zuletzt in die Trickkiste. Am Sonntag kündigte Cruz einen Nichtangriffspakt mit John Kasich an, dem Gouverneur aus Ohio, der trotz Serien-Niederlagen an seiner Kandidatur festhält. Dann stellte er, ungewöhnlich früh, seine Nummer zwei vor: Carly Fiorina, (gescheiterte) Konzernchefin von Hewlett-Packard, die im (unwahrscheinlichen) Falle eines Cruz-Wahlsiegs zur Vizepräsidentin gekürt würde. Und schliesslich gab der konservative Gouverneur des Bundesstaates Indiana einen Wahlaufruf für den Senator ab.

Ob das reicht, um Trump eine Niederlage zu bereiten? Vielleicht. Immerhin sorgt Cruz dafür, dass sich Trump noch nicht zum Sieger ausrufen kann.

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