Der Kommentar: 2000 und 2001, ein Jahr nach dem Einmarsch der Kfor-Schutztruppe, war ich selber während neun Monaten mit der Swisscoy in Kosovo. Damals war der Einsatz zu 100Prozent sinnvoll. Noch heute bin ich stolz darauf,

einen kleinen Teil zum Frieden in der ehemaligen serbischen Provinz beigetragen zu haben. Zugegeben: Auch damals floss das Bier nach Feierabend in Strömen, und auch ich prostete kräftig mit. Aber wir hatten einen sinnvollen Auftrag und waren mit Arbeit voll ausgelastet – was für ein Kontrast zu den Wiederholungskursen in der Schweiz.

Seither hat sich vieles verändert: So kann heute jeder Idiot seine Kollegen beim Biersaufen filmen und diese Videos dann ins Internet stellen. Vor allem aber hat sich die Sicherheitslage in Kosovo gründlich geändert: Seit 2009 wird sie von der Schweizer Armee als «ruhig und stabil» bezeichnet. Man könnte auch sagen: ruhig und langweilig.

Und genau hier liegt das Problem für die Truppe: Aus einem anspruchsvollen Dienst ist für viele Swisscoy-Angehörige ein dröges Absitzen geworden. Da ist die Frage berechtigt, ob die Präsenz in Kosovo noch Sinn macht. Meine Antwort: Die Truppe braucht es in ihrer heutigen Stärke nicht mehr. Doch aus rein ideologischen Gründen und aus Mangel an Alternativeinsätzen hält Bern an der Zahl von 220 Angehörigen fest. Andere Länder haben rascher reagiert. Einige, zum Beispiel Deutschland, haben ihre Truppe stark verkleinert, andere, darunter Spanien und Belgien, sind ganz aus Kosovo abgezogen.

Die nun aufgeflammte Debatte über die Swisscoy sehe ich deshalb als Chance: Man ist jetzt gezwungen, die Dimension des Einsatzes zu diskutieren. 2011 entscheidet das Parlament, ob er verlängert wird. Selbst der jetzt angeschossene Kommandant sagte im Dezember in einem Radiointerview, es brauche «viel weniger» Soldaten, als es heute sind. Dem kann ich mich nur anschliessen: Ein paar Dutzend Soldaten genügen, um die zwei gefährdeten serbischen Enklaven im Schweizer Sektor zu schützen. Der Rest der Truppe kann getrost abgezogen werden. Dann heisst es: Danke, Soldaten, abtreten!