Der Kommentar: Noch vor kurzem war Etihad der breiten Öffentlichkeit kein Begriff. Das ist heute anders. Die aggressive, erst elf Jahre alte Airline aus dem Golfstaat Abu Dhabi mischt den Markt auf und zieht ihre Fäden seit letztem Herbst auch hierzulande. Sie übernahm 33 Prozent der Tessiner Darwin Airline und macht der Swiss seither mit Billigstpreisen Kunden streitig.

Seit 2005 flog Darwin für die Swiss die Strecke Lugano–Zürich. Dass die Swiss unter den neuen Umständen nicht mehr mit Darwin kooperieren will, ist verständlich. Darwin ist keine Bohnenstange mehr, sondern plötzlich ein aufgepumpter Muskelprotz, dessen Hiebe Beulen hinterlassen. Die fast täglich erscheinenden ganzseitigen Inserate sprechen Bände über die finanzielle Potenz von Etihad.

Es ist richtig, dass die Swiss ihr heimisches Territorium verteidigen will. Allerdings überzeugt die Reaktion im Fall Lugano–Zürich nicht. Aus Mangel an eigenen Maschinen fliegt neu die österreichische Konzernschwester Tyrolean Airways ins Tessin – ohne Schweizer Kreuz, im Gegensatz zu Etihad Regional, wo es klein auf dem Heck zu sehen ist. Und die Tessiner wollen die Strecke ebenfalls weiter bedienen. Der zermürbende Preiskampf nimmt zu.

Die Swiss sollte sich nicht auf jeden Kleinkrieg mit Etihad einlassen, sondern sich auf ihre Stärken besinnen. Sonst verliert sie. Denn das Etihad-Netz wird grösser und grösser mit Beteiligungen an Air Serbia, Air Seychelles, Air Berlin, Jet Airways, Virgin Australia, Aer Lingus – und neu auch Alitalia.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper