Die Swiss sieht dies anders.

Der Kommentar:Der Ton zwischen der Swiss und der Piloten-Gewerkschaft Aeropers verschärft sich. Ob die angebliche Übermüdung von den Arbeitsbedingungen der Swiss oder aus anderen Beschäftigungen kommt, dürfte von Pilot zu Pilot unterschiedlich sein. Die Aeropers hat recht, wenn sie sagt, die Arbeitsbedingungen entsprächen nicht mehr dem, was sie einmal waren.

Doch scheint bei vielen langjährigen Mitarbeitern noch immer die alte Swissair-Mentalität mitzuspielen. Sie haben Mühe damit, sich dem heutigen Wettbewerb im Airlinebusiness anzupassen.

Andererseits lässt sich die angebliche Übermüdung nicht einfach auf andere Beschäftigungen abschieben, so wie es Swiss-Chef Harry Hohmeister im «Sonntag»-Interview zumindest angetönt hat. Auch ist an einem zweiten Standbein – bei genügend Selbstdisziplin in Bezug auf die Erholungsphase – grundsätzlich nichts auszusetzen. Und viele Piloten arbeiten in erster Linie Teilzeit, weil sie so ihre Ferientage früher bestätigt erhalten.

Dass der neue Gesamtarbeitsvertrag (GAV) Verbesserungen beinhalten wird, scheint klar und ist auch angebracht. Der abgelaufene GAV stammt aus der Turnaround-Phase. 2010 dürfte die Swiss laut Branchenkennern hingegen rund 300 Millionen Franken Gewinn schreiben. Und dass die Swiss ihren Piloten kürzlich 4,5 Millionen Franken als Entschädigung zugesprochen hat, ist ein Indiz dafür, dass sich das Management der Lage bewusst ist und den Mitarbeitern entgegenkommen wird.

Doch nun droht die Aeropers mit ihrer Kommunikation unnötig viel aufs Spiel zu setzen, wenn sie – mit fremdenfeindlichem Unterton – im Internet schreibt: «Der Deutsche Hohmeister benimmt sich wie der Elefant im Porzellanladen. Von unserer Politik des gut schweizerischen Kompromisses (...) hat er offensichtlich keine Ahnung.» Und: «Herr Hohmeister sei daran erinnert: ohne Piloten keine Airline.» Mit diesem aggressiven Konfrontationskurs zielt die Gewerkschaft auf eine Eskalation, die am Schluss niemandem dient. Beide Parteien werden einen Schritt aufeinander zugehen müssen. Pauschalvorwürfe zielen in die falsche Richtung.

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