Sweet and sour

Frage: Gegenüber den US-Wahlen wird die Neuordnung der Macht in China viel weniger kommentiert. Wohin geht China wirtschaftlich?

Antwort von Oswald Grübel: Da der Präsident in China durch die Kommunistische Partei gewählt wird, ist der Vorgang weniger transparent und wird deshalb weniger kommentiert. Die Aufgaben der neuen chinesischen Führung unter Xi Jinping sind gewaltig. Es wird erwartet, dass sie weiterhin den Wohlstand erheblich steigern kann, und sie soll die Korruption im Lande bekämpfen.

In einer sich abzeichnenden globalen Rezession mit zu hohen Staatsverschuldungen, einer Bankenkrise, die Kreditwachstum verhindert und unaufhaltsam fortschreitender Transparenz wird es sehr schwer sein, ein Wachstum von 7 bis 9 Prozent aufrechtzuerhalten. Nach einem so langen Wachstumsschub, wie ihn China gehabt hat, besteht die Gefahr, dass bei viel tieferem Wachstum viele Fehler, die zuvor durch die hohen Zuwachsraten vertuscht werden konnten, zum Vorschein kommen und zusätzliche Probleme schaffen. Das ist in China nicht zu unterschätzen, da ja selbst die Regierung vor der zu hohen Korruption gewarnt hat.

Die grossen globalen Trends werden nicht spurlos an China vorübergehen. Durch seine Stellung im Welthandel muss sich China Jahr für Jahr mehr den westlichen Werten anpassen und transparenter werden. Das ist nicht einfach für ein Land, das noch vor wenigen Jahrzehnten völlig vom Rest der Welt isoliert war. Die chinesische Führung weiss, dass sie überdurchschnittliches Wachstum braucht, um die innenpolitischen Spannungen im Griff zu haben. Der Plan ist, die Binnenwirtschaft erheblich zu fördern und damit die schwächelnde Exportwirtschaft zu negieren. Hoffen wir, dass es gelingt.

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