Um die Tat von Andreas L. immerhin in Ansätzen zu erfassen, beobachten wir uns selbst, wie wir Details über den Co-Piloten erfahren wollen. Zumindest mir geht es so. Der 27-Jährige, ist zu lesen, war am Tag vor der Katastrophe wegen einer psychischen Störung in Behandlung gewesen. Dem Arbeitgeber hatte er seine Krankheit verschwiegen; bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden medizinische Unterlagen gefunden, die Andreas L. zerrissen hatte. Gestern meldete sich dann seine Ex-Freundin zu Wort und sagte, Andreas L. habe sich im Job oft «aufgeregt, unter welchen Umständen wir arbeiten müssen». Und sie erinnerte sich an eine Aussage ihres Ex-Freundes: Er werde «eines Tages» etwas tun, «was das ganze System verändern wird. Alle werden dann meinen Namen kennen und in Erinnerung behalten».

Die Medien werden in Online-Kommentaren zum Teil dafür kritisiert, dass sie solche Informationen überhaupt bringen. Es gehe dabei doch nur um Sensationsgier. Das ist höhere Dialektik: Menschen lesen etwas, was sie offenbar wissen möchten, und fordern dann, dass man dies nicht hätte schreiben dürfen.

Zu behaupten, Sensationsgier spiele in diesem Fall – und das gilt für alle Katastrophen – keine Rolle, wäre absurd. Aber vieles von dem, was nun ans Tageslicht kommt, kann zur Verbesserung der Flugsicherheit beitragen. Erstaunlich eigentlich, dass die in den USA gültige Regel, wonach immer zwei Personen im Cockpit sein müssen, erst jetzt von den europäischen Airlines übernommen wird. Auch diskutiert man nun zu Recht darüber, wie die psychische Stabilität der Piloten besser getestet werden kann. Und ein neuer Aspekt kommt dazu: Weil Männer generell stärker suizidgefährdet sind als Frauen, stellt sich die Frage, ob es in den Cockpits nicht mehr Pilotinnen bräuchte. (Artikel links)

Fliegen ist in den letzten Jahren immer sicherer geworden. Die totale Sicherheit gibt es aber nie. Das Gefühl des Ausgeliefertseins – es gehört, nicht nur beim Fliegen, zum Leben.

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