Der Kommentar: Unter dem Titel «In der Traumfabrik» beklagte im Vorfeld der Energiedebatte ein Kritiker den Ausstieg aus der Atomenergie und die «besinnungslose Förderung» der neuen Energieanbieter, die allein am Markt nie bestehen könnten. Die Rede war vom «süssen Gift» der Subvention. Nun haben auch die Atomstromkonzerne wieder mal am süssen Gift genippt.

Es gibt auf dieser Welt wenig Risiken, die so gross sind, dass es niemanden gibt, der bereit ist, sie zu versichern. Riesige Baustellen wie die der Neat sind genauso versicherbar wie das Risiko, dass irgendein Wertpapier plötzlich wertlos wird. Die Branche ist sehr kreativ, wenn es darum geht, grosse Risiken zu verbriefen und so lange anderen Firmen weiterzuverkaufen, bis am Ende jeder nur noch einen kleinen Teil davon trägt. Wenn nun bei Atomkraftwerken «schon» nach einer halben Milliarde Schluss sein soll, dann heisst das nichts anderes, als dass die Versicherungskonzerne die AKW-Branche an sich nicht gern in ihren Büchern stehen haben.

Die Argumentation, der Staat übernehme die Versicherungsleistung zum Marktpreis, ist natürlich beschönigt. Denn wenn der Markt eine Versicherungsleistung gar nicht mehr anbietet, heisst das nichts anderes, als dass der wahre Preis sicher höher liegen würde als das, was zuletzt bezahlt wurde.

Niemand bestreitet, dass die Energiewende eine teure Übung ist. Neue Technologien werden entwickelt und mit viel Beihilfe in den Markt gedrückt. Das neuste Beispiel zeigt aber, dass die Atomkraft, die ohne staatliche Hilfe gar nie entwickelt worden wäre, genauso wenig ohne Staatshilfe auskommt.

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