Stromverbrauch senken? Wenig realistisch

Die Energiewende kostet eine riesige Stange Geld. Um den Ausstieg aus der Atomenergie finanzieren zu können, werden die Kosten für eine Kilowattstunde bis in 20 Jahren auf das Doppelte des heutigen Niveaus steigen. Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das: Er wird nicht mehr rund 100 Franken pro Monat für «Pfus» aus der Steckdose bezahlen, sondern 200 Franken. Aufs Jahr gerechnet, muss er dem Elektrizitätswerk 1200 Franken mehr abliefern.

Für viele Haushalte sind die Zusatzkosten kein Problem. Aber wer knapp bei Kasse ist, dem geht die Energiewende ans Leder. Einen Vorgeschmack darauf liefert Deutschland, wo die Strompreise in den letzten Monaten regelrecht explodiert sind. Dort geht bereits das Schreckgespenst der Stromarmut um, die Menschen mit niedrigen Einkommen dazu zwingt, im Winter die Heizungen in ihren Wohnungen herunterzudrehen. Die Regierung agiert hilflos: Man könne die Helligkeit des Flachbildschirms herunterdrehen oder man solle beim Backen das Vorheizen vermeiden und die Restwärme des Ofens nutzen, lauten die Tipps des deutschen Energieministers Peter Altmeier, die er in einem Leitfaden zu Papier gebracht hat. Deutschland hat die Energiewende gründlich verbockt.

Die Schweiz kann von den Fehlern der Deutschen lernen. Doch auch bei der Schweizer Ausstiegspolitik ist Sparen ein wichtiger Pfeiler. Laut dem Plan von Bundesrätin Doris Leuthard soll der Energieverbrauch bis 2035 pro Kopf um 43 Prozent sinken. Nur so ist es möglich, dass die Haushalte trotz steigender Preise in der Endabrechnung gleich viel bezahlen wie heute. Doch ist diese Halbierung des Energieverbrauchs tatsächlich ein realistisches Szenario?

Wohl kaum. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass Schweizer Haushalte und Unternehmen in den letzten Jahrzehnten stets mehr Energie verbrauchten. Nimmt die Wirtschaftsleistung zu, steigt auch der Stromverbrauch. Klar, LED-Lampen verbrauchen weniger Strom als herkömmliche Lampen. Doch wenn bereits ein Smartphone mit allen nachgelagerten Cloud-Diensten mehr Strom verbraucht als ein Kühlschrank, wie kürzlich eine Studie behauptete, sind erhebliche Zweifel an den bundesrätlichen Reduktionszielen angebracht.

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