Der Kommentar: Seit Fukushima hat die Atomaufsicht Ensi erheblich an Vertrauen eingebüsst. Zurückgewinnen kann die Behörde es nur, wenn sie sich von den AKW-Betreibern distanziert. Dies ist bisher nicht geschehen. So hat das Ensi selbst zugegeben, dass es beim EU-Stresstest Dokumente der AKW-Betreiber ungeprüft weitergereicht hat. Trotzdem stellte die Aufsichtsbehörde allen Atomkraftwerken ein sehr gutes Zeugnis aus. Da stellt sich die Frage, ob die Aufsicht zu einer Kollegin der Beaufsichtigten geworden ist. Ein anderer Fall ist das undurchsichtige Gebaren der Behörde bei der Suche nach einem Endlager für Atomabfall. Unlängst ist ein Mitglied der Kommission für nukleare Sicherheit deshalb unter Protest zurückgetreten und hat dem Ensi den Filzvorwurf gemacht.

Es ist kaum vorstellbar, dass etwa die Nationalbank (SNB) die risikogewichteten Eigenkapitalquoten der Grossbanken ungeprüft übernimmt. Doch die Aufgaben der beiden Institutionen sind durchaus vergleichbar. Beide müssen Unternehmen kontrollieren, die theoretisch die Schweizer Volkswirtschaft in den Abgrund reissen könnten. In beiden Fällen ist dieses Szenario sehr unwahrscheinlich. Doch in beiden Fällen hat die jüngste Vergangenheit bewiesen, dass die Katastrophe möglich ist.

Damit die Schweiz eine Atomaufsicht hat, die diesen Namen verdient, braucht es einen Stresstest für das Ensi. Das zuständige Departement Uvek muss durchleuchten, wie eng die Banden zwischen Ensi und Betreibern sind. Filz im Bereich der nuklearen Sicherheit kann sich die Schweiz nicht leisten.

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