Stress-Psychologie

Vergangene Woche haben sich die Finanzmärkte hauptsächlich mit den USA beschäftigt. Grund dafür war der Streit zwischen Regierung und Opposition um die nach wie vor ungelöste Haushaltsfrage und die anstehende Anhebung des Schuldenlimits.

Das hatte zur Folge, dass die Aktienmärkte sich anfangs verunsichern liessen und runtergingen, weil keine Partei nachgeben wollte, und dann beim ersten Anzeichen einer vorübergehenden Lösung wieder in die Höhe schossen.

Auf der Strecke blieben die Kredibilität sowohl der amerikanischen Politik als auch des Präsidenten. Nicht weil das bei uns nicht passiert, sondern weil Amerika immer noch für viele als Führer der freien Welt und der Finanzmärkte gilt.

Den Führungsstatus in der Politik haben die USA in den letzten Jahren stetig abgebaut, und diese Episode hat den Abbau noch etwas beschleunigt. Den Führungsstatus in der Finanzwelt haben sie noch inne, hauptsächlich wegen der Grösse ihrer Volkswirtschaft, doch hat er in der letzten Woche erheblichen Schaden erlitten.

Um ihre ungeheuren Staatsschulden finanzieren zu können, sind die USA auf die Weltwirtschaft angewiesen. In diesem Punkt hat sich Obama durch seine Uneinsichtigkeit im Haushaltsstreit verrechnet. Die Länder, die die Staatsschulden der USA finanzieren, wollen in Zukunft solche Stresssituationen nicht mehr erleben und werden es sich gut überlegen, weiterhin in gleichem Masse Staatsanleihen der USA zu kaufen.

Dies wird steigende Zinsen sowie eine Abschwächung des Dollars nach sich ziehen. Mit anderen Worten, das derzeitige innenpolitische Hickhack wird sich als sehr kostspielig für die USA herausstellen.

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