Der Kommentar: Nach der Freilassung von Dominique Strauss-Kahn stellt sich die Frage von selbst: Kann der einstige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten bei den Präsidentschaftswahlen 2012 noch antreten? In der Parti Socialiste wird bereits heftig debattiert. Dabei ist unsicher, ob der
62-jährige Franzose überhaupt noch Lust auf eine Kandidatur hat. Sie wird von den Pariser Medien auch sonst eher für unmöglich gehalten. Ein Mann «mit einem so masslosen Sexualtrieb» sei nicht genehm, schreibt etwa der konservative «Figaro».

Und doch. Die Hauptlehre der DSK-Affäre ist, dass nicht die schnellsten Prognosen die besten sind. Noch bleiben zehn Monate bis zu den Wahlen. Nach heutigem Stand der Dinge ist es zwar unwahrscheinlich, dass Strauss-Kahn antreten kann und will. Das politische Temperament Frankreichs und die offenbar nicht ganz unfehlbare US-Justiz lassen in den Präsidentschaftswahlen noch einige Donnerschläge und Theatercoups erwarten.

Nicht nur für den Rückkehrer DSK, sondern auch für die anderen Präsidentschaftskandidaten gilt ab sofort: Bitte anschallen – bis im Mai 2012 sind in Paris heftige politische Turbulenzen angesagt.
Und das, selbst wenn DSK nicht mehr in den Ring steigt. Sarkozy sähe sich nur noch zweitrangigen Rivalen wie François Hollande oder Martine Aubry gegenüber. Dies würde aber seine eigene Kandidatur mit einem Makel behaften. Nur eine Prognose scheint deshalb sicher: Das Kürzel DSK wird wie ein Schatten über der Wahlkampagne hängen. Ob der Ex-IWF-Chef antritt oder nicht.