STOPPT DIE SCHARLATANE!

Die Nachricht: Die Affäre um einen Berner Heiler, der bis zu 19 Menschen mit dem HI-Virus angesteckt haben soll, weitet sich aus. Es wurde eine Voruntersuchung gegen einen zweiten Mann eröffnet. Die Behörden halten sich bedeckt.

Der Kommentar: Wer Heiler hört, denkt schnell: Scharlatan. Dieser Gedanke wird den unzähligen Angeboten in der Alternativmedizin nicht gerecht. Dazu gehören populäre Behandlungsmethoden wie Homöopathie, Osteopathie oder Akupunktur. Letzteres praktizierte auch der selbst ernannte Heiler von Bern. Und bei «selbst ernannt» liegt genau das Problem.

Trotz eines neuen Verfassungsartikels zur Komplementärmedizin kann jeder, der sich dazu berufen fühlt, eine nichtärztliche Praxis eröffnen. So genannte Heiler legen ohne Ausbildung buchstäblich Hand an. In zehn Kantonen fehlen immer noch die Leitplanken zur Kontrolle von Heilern. Nur so aber können Scharlatane entlarvt werden. Das hat auch der Dachverband für Komplementärmedizin gemerkt und sorgt sich jetzt um die Qualitätssicherung. Der Fall des Berner Heilers zeige die Notwendigkeit von staatlich anerkannten Diplomen und kantonalen Praxisbewilligungen für nichtärztliche Therapeuten, schreibt der Verband.

Die Homöopathen, Osteopathen und Akupunkteure machen vor, was die Berner Untersuchungsbehörden noch nicht realisieren wollen:

Eine offene, aktive und klare Informationsstrategie beugt Missverständnissen vor. Der Berner Staatsanwalt Klaus Feller hatte auf den ersten Blick eine gute Begründung parat, warum er zum Fall des Heilers nicht näher informieren kann. Man wolle nicht Zwischenergebnisse kommunizieren, die Raum für neue Spekulationen böten. So passiert, was passieren muss – es gibt Raum für neue Spekulationen.

Von den Medien – der «SonntagsBlick» hatte den Fall aufgedeckt – zu erwarten, sie würden sich zurückhalten, ist naiv. Wenn ein Mann 19 Menschen mit dem HI-Virus angesteckt haben soll und frei herumläuft, stellen sich nun mal Fragen, auf deren Antworten die Öffentlichkeit ein Recht hat. Genauso, wie die Opfer ein Recht auf Schutz haben. Ein Staatsanwalt muss in der Lage sein, diese Gratwanderung zu begehen und zu bestehen.

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