Der Kommentar: Die Steuer mit dem seltsamen Namen ist geplant für den Fall, dass die Kapitalgewinnsteuer auf Wertschriften eingeführt wird. Denn ohne diese Wegzugssteuer für natürliche Personen würden umsichtige Steuerberater ihren gut betuchten Kunden empfehlen, den Wohnsitz vor dem Verkauf von Anteilen an Kapitalgesellschaften ins Ausland zu verlegen, um der Kapitalgewinnsteuer zu entgehen.

Früher einmal war es für die meisten selbstverständlich, die Steuern da zu zahlen, wo das Einkommen erarbeitet wurde. Das war auch die Zeit, als man im Dorf einkaufte. Die Gesellschaft tolerierte gar nichts anderes. Dann kamen die Globalisierung, das schnelle Geld und das Internet, und alles geriet ziemlich aus den Fugen. Irgendwann wurde in gewissen Kreisen derjenige, der die Steuern nicht optimierte oder gar vermied, als unterbelichtet belächelt.

Das Rad dreht sich jetzt zum Glück wieder zurück. Alte Tugenden kommen wieder in Mode. Wenn ein Wirtschaftsminister amtlich abgesegnete Steueroptimierung mittels Briefkastenfirmen im Ausland als überaus schweizerisch taxiert, kommt das breiten Kreisen spanisch vor. Es wird, auch dank dem schonungslosen Durchgreifen der USA ihren eigenen Staatsbürgern gegenüber, wieder zur Tugend, die Steuern im eigenen Land zu zahlen.

Aber heil ist diese Welt noch nicht. Das Dümmste wäre, jetzt neue Anreize zu schaffen, das Geld doch wieder ins Ausland zu bringen. Sollte die Kapitalgewinnsteuer wirklich eingeführt werden, brauchte es auch die Wegzugssteuer.

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