Der Kommentar: Der ARD-Reporter, der im September in den Aargau reiste, hatte seine Meinung schnell gemacht. «Oberwil-Lieli», sprach er ins Mikrofon, «ist ein dunkler Fleck. Ansichten, die anderswo als rechtsradikal gelten, sind hier salonfähig.» Der Fernsehsender berichtete über den Plan von Gemeindeammann Andreas Glarner (SVP), dem Kanton 290 000 Franken zu überweisen, damit das Dorf keine Asylbewerber aufnehmen muss.

Vorgestern Abend hielt das angebliche Rassistennest die Gemeindeversammlung ab. Unter den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, die sich in die Mehrzweckhalle drängten, war auch Johanna Gündel, eine 24-jährige Studentin. Sie nahm zum ersten Mal an einer Gmeind teil. Und stellte gleich einen Antrag. Der verlangte, dass sich die Gemeinde nicht mit 290 000 Franken freikauft und stattdessen Flüchtlinge aufnimmt. Es sei heftig diskutiert worden, berichten Beteiligte. Am Ende wurde abgestimmt. Und siehe da: Der Antrag der Studentin wurde mit 176 zu 149 Stimmen angenommen.

Das Volk, auf das sich Andreas Glarner immer beruft, hat gesprochen. Es hat Vernunft gezeigt und ein Signal gesetzt: In der SVP-Hochburg Oberwil-Lieli will man keine menschenunwürdige Asylpolitik. Alles hat seine Grenzen, auch der Egoismus. Glarners Plan hätte kein einziges Problem der Asylpolitik gelöst, sondern nur verlagert. Die Herausforderungen lassen sich aber nur gemeinsam meistern. Die Stimmbürger haben das am Freitagabend ihrem obersten Angestellten Andreas Glarner beigebracht. Und so für eine Sternstunde der direkten Demokratie gesorgt.

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