Dieser Krach bringt die Partei immerhin mal wieder in die Zeitung. Die SVP, die seit den 90er-Jahren Themen setzen konnte wie keine andere Partei, ist in letzter Zeit fast ganz aus den Schlagzeilen verschwunden. Die meisterhaften Provokationen bleiben aus. Dieses Handwerk beherrschen FDP-Präsident Philipp Müller und die SP heute besser, deren Neo-Nationalrat Cédric Wermuth mediengerecht Aufregung zu entfachen weiss wie weiland Christoph Mörgeli. Was aber sind die Gründe für die Formschwäche der SVP? Sie sind innerhalb, aber auch ausserhalb der Partei zu finden.

Innerhalb, weil jeder weiss, dass die Ablösung von Christoph Blocher nicht abzuwenden ist – und nur dieser vermag mit seinem Charisma den national-konservativen und den wirtschaftsliberalen Flügel zusammenzuhalten. Die Flügel beginnen bereits heftig zu flattern. Das zeigt der Konflikt zwischen den alten, bodenständigen Schlachtrössern und den jungen, parfümierten Akademikern.

Es gibt aber auch Gründe ausserhalb der Partei. Europa steckt in seiner schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Zeiten sind ernst, auch für die Schweiz. Bemerkenswerterweise erweisen sich ernste Zeiten auf dem ganzen Kontinent als schwere Zeiten für Populisten. Selbst in Griechenland wählte das Volk am Ende keine Protest-, sondern eine gemässigte Partei. Bei den Wahlen in Holland wird der Höhenflug des Rechtspopulisten Geert Wilders wohl gestoppt. Und in Deutschland ist die CDU von Krisenmanagerin Angela Merkel im Umfragehoch, die populistische Linke am Serbeln.

Für die Schweiz heisst das vor allem eines: Die FDP, die am meisten unter dem 20-jährigen Aufstieg der SVP litt, könnte jetzt profitieren.


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