Der Kommentar: OC Oerlikon Präsident Vladimir Kuznetsov hat eine späte Erkenntnis: Der teure Kauf von Saurer sei ein Fehler gewesen. Recht hat er, denn in der Krise zeigt sich, dass Industrieunternehmen nicht geeignet sind für Monopoli-Spiele geldgieriger Finanzinvestoren. Doch von einem Mitschuldigen des Debakels hört man gar nichts – von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Die ZKB liess sich von Oerlikon «einspannen bzw. instrumentalisieren». Das schrieb 2006 die Übernahme-kommission. Sie ist das offizielle Aufsichtsorgan des Bundes, wenn es um die Übernahme börsenkotierter Firmen geht. Die scharfe Wortwahl der Kommission bezog sich auf die Übernahme von Saurer durch Oerlikon, bei der die Staatsbank mit umfangreichen Optionsgeschäften tatkräftig mithalf – und mitverdiente.

Im Sommer 2006 tobte die Übernahmeschlacht um Saurer. Der britische Finanzinvestor Laxey kaufte heimlich 20 Prozent der Aktien von Saurer zusammen. Am 5. September 2006 um 17.26 Uhr kam es zum ersten von drei Deals mit OC Oerlikon. Total 5,2 Millionen Aktien im Wert von 632 Millionen Franken wechselten innert ein paar Stunden die Hand. So viel Geld hatte Oerlikon gar nicht in der Kasse. Oerlikon übernahm daher nur 3,5 Millionen Aktien. 1,5 Millionen Aktien kaufte die ZKB für 180 Millionen Franken und verkaufte Oerlikon Optionen für 48 Millionen. Damit gab die ZKB der Oerlikon faktisch einen 100-Millionen-Kredit. «Diese Aktien wurden bei den Banken ‹parkiert› oder ‹ausgelagert›» hielt die Übernahmekommission fest. Dass damit auch die Meldevorschriften umgangen wurden, ist ein weiterer Skandal.

Ohne die Hilfe der ZKB hätte Oerlikon Saurer nie kaufen können. Um Saurer ganz zu übernehmen, nahm Oerlikon später jenen 2-Milliarden-Kredit bei Citibank auf, der jetzt den ganzen Konzern gefährdet. Die ZKB schrieb 2006 ein Rekordergebnis, vor allem dank den Gewinnen im Handel. Chef der ZKB war damals Hans Vögeli. Er musste nach einer weiteren umstrittenen Übernahme, jener von Sulzer im Frühjahr, zurücktreten. Und nun muss Vögeli vor Gericht, allerdings nicht wegen seiner Rolle bei den Übernahmedeals, sondern weil er von der ZKB noch einen Bonus will.