Sein Radio- und Fernsehdirektor Rudolf Matter versprach «mehr Relevanz» im Inhaltlichen und kritisierte damit seine Vorgängerin, die immerhin in schwierigen Zeiten die Marktanteile gehalten und relevante Eigenleistungen in der Information (zum Beispiel. «Reporter», «Dok» usw.) gefördert hatte.

Der Kommentar: Die Ansagen waren klar: Das Defizit wollen sie, Konjunktureinbruch vorbehalten, im Laufe dieses Jahres beseitigen: 46 Millionen einsparen bei einem Gesamtbudget von 1,6 Milliarden ist zwar, privatwirtschaftlich betrachtet, nicht gerade ein sportliches Ziel, aber in einer eingefahrenen Bürokratie dann doch ein Stück Arbeit.

Bei der Gebührenerhebung wollen sie das System wechseln: von der Konzessionsgebühr zur allgemeinen Mediensteuer. Roger de Weck wird wissen, dass er mit diesem Projekt politisch vermintes Gelände betritt. Doch es lockt die Chance, statt der kaum durchsetzbaren Gebührenerhöhung auf dem stilleren Wege mehr Einnahmen zu generieren. Hier zeichnet sich ein hochpolitischer Schaukampf ab.

Zurzeit tut die neue SRG-Spitze, was man ohne Not nie tun sollte: Sie setzt sich selbst unter Druck. Vorsichtige Führungskräfte vermeiden das. Denn nie ist die öffentliche Aufmerksamkeit grösser und der eigene Wissensstand geringer als bei Amtsantritt. Jetzt sind die Freunde ungeduldig, die Mitarbeiter begehrlich und die nicht wenigen Feinde so richtig scharf und wach.

Die erste ernste und strategisch wichtige Auseinandersetzung wird sich um die Bewegungsfreiheit der SRG im Internet drehen. Seit Jahr und Tag investiert der politisch privilegierte Koloss Gebührengelder in eine aggressive Internet-Strategie, welche die privaten Zeitungsverleger ausgerechnet in einer schwierigen Umbruchszeit auf deren wichtigstem Zukunftsgebiet konkurrenziert.

Dies alles geschieht in einem Wahljahr, in dem alle Beteiligten mit allen Mitteln öffentliche Aufmerksamkeit suchen. Die Politiker jeder Couleur werden ihren bewährten SRG-Poker weiter spielen. Die meisten von ihnen sind gefangen in einem Medienbild aus dem 19. Jahrhundert, das die Medien vor allem als Hilfstruppen der Politik sieht.

Ihre Vorstellung von einem Deal lautet: Privilegien gegen Einfluss, vor allem in der trägen Trägerschaft, wo pensionierte Staatsschreiber und andere verlässliche No-Names die Personalpolitik vorspuren und den politischen Raumschutz besorgen. Es herrscht die seit vielen Jahren erfolgreiche rot-schwarze Koalition.

Die Linke hütet ihren enormen, personell abgestützten Einfluss im Programmbereich. Die CVP hilft ihr dabei, weil sie den Finanzausgleich zwischen den Sprachgebieten und die Versorgung der Berg- und Randgebiete sicherstellen will. Die FDP grollt ideenlos vor sich hin, die SVP schlägt bei jeder Gelegenheit Krach und sichert sich damit gelegentlich eine Vorzugsbehandlung.

Vor diesem Hintergrund haben de Weck und Matter mit ihrem spektakulären Personalentscheid für Roger Schawinski ein geradezu peinlich falsches Signal gesetzt. Den oft lausig vorbereiteten und bis zur Unanständigkeit aggressiven Egozentriker zum «besten Interviewer der Schweiz» zu erklären, war zunächst ein Affront an die SRG-Mitarbeitenden. Ihm die triumphale Rückkehr in den Schoss der so oft geschmähten SRG zu ebnen, war eine Instinktlosigkeit, die auch durch die häufigen Nachtessen zu dritt in der Berliner Exil-Einsamkeit nicht vernünftig zu erklären ist.

Muss man in dieser Personalie eine neue Variante der SRG-typischen Beziehungskorruption erkennen? Oder sind de Weck/Matter einfach so naiv, dass sie – frei nach Erich Kästner – genussvoll den Kakao trinken, durch den die von ihnen geführte Institution vorher gezogen worden ist? Beides wären keine guten Vorzeichen für die bevorstehenden Herausforderungen.