Der Kommentar: Wir haben das Schweizer Fernsehen an dieser Stelle schon oft kritisiert, etwa für sein Unvermögen, spannende «Tatort»-Folgen zu produzieren, oder für die Verschleuderung von Gebührengeldern für den Masseneinkauf von US-Serien. Für den historischen Zweiteiler «Gotthard» aber ist das SRF zu loben. 11 Millionen Franken hat der Film gekostet – die teuerste Co-Produktion, die das Schweizer Fernsehen je realisiert hat (6 Millionen steuerte die SRG bei).

Es stimmt zwar, dass die fiktionale Geschichte, die sich um Ingenieurskunst und um die Menschen hinter dem Jahrhundertwerk dreht, bisweilen etwas berechenbar war, wie etwa die «NZZ» monierte («Ein Berg voller Klischees»). Und ja: Dialoge sind noch immer nicht die Stärke helvetischen Filmeschaffens.

Doch das ist Krittelei angesichts der Gesamtleistung von Regisseur Urs Egger und seinem Team. Ihnen ist es gelungen, einem breiten Publikum – der Marktanteil betrug hohe 50 Prozent – ein monumentales Stück Schweizer Geschichte näherzubringen und dabei nie Langeweile aufkommen zu lassen. Die filmische Inszenierung schafft es besser als jedes Geschichtsbuch aufzuzeigen, welch gewaltiger menschlicher Kraftakt die Bezwingung des Gotthardmassivs war. Und viele Zuschauer haben wohl das erste Mal davon erfahren, dass Soldaten auf streikende Tunnelarbeiter schossen und vier Männer töteten.

Nach 180 Minuten vor dem TV muss man zum Schluss kommen: Genau für solche Leistungen zahlen wir Gebühren. Warum nicht öfter, liebe SRG?

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