Der Kommentar: Was für Menschenfreunde!
«Ein grosses Herz für die Schwächsten auf der Welt» – wer traut sich da noch eine Windel bei der Konkurrenz zu posten! Bei den millionenschweren Unternehmen herrscht Einigkeit – zumindest marktwirtschaftlich betrachtet: Besonders in der Vorweihnachtszeit kann der Kunde so richtig geschröpft werden!

Und darin sind die Konzerne gut. Richtig gut. Gerade in der Adventszeit ist der Konsument nahezu bei jeder Einkaufstour mit vorgegaukeltem Gutmenschentum konfrontiert. Hier die politisch korrekte Seife, mit deren Kauf man noch Kinder in Botswana unterstützt, da die schmucke Halskette, mit der man auch gleich noch die Genitalverstümmelung der Frauen in Drittweltländern bekämpft. Frei nach dem Motto: «Kaufst du unser Produkt nicht, bist du ein schlechter Mensch».

Doch rufen wir uns in Erinnerung, worum es geht: nämlich um das Spenden. Unter einer Spende versteht man eine «freiwillige und unentgeltliche Leistung in Form einer Geld-, Sach-, Leistungs- oder Zeitspende für religiöse, wissenschaftliche, gemeinnützige, kulturelle oder politische Zwecke». Seltsam nur, dass sich das Spendenverhalten offenbar auch verändert hat: Früher warf man der Heilsarmee ein paar Fränkli in den Topf oder besserte still und froh die Kirchenkollekte mit einem Batzen auf.

Kurzum: Man spendete still und nicht marktschreierisch. Heute muss alles ein Event sein, selbst beim Spenden soll alles glitzern und glänzen. Der Käufer – pardon: der Spender – will schliesslich auf den Thron der Barmherzigkeit gehievt werden. Leider spenden sie dann meist nur, weil im Fernsehen ein Aufruf kommt. Oder weil die Nachbarin doch auch eine Windelpackung gekauft hat. Somit ist dann für alle hochoffiziell klar: Ich habe gespendet.

Dabei gibt es genügend, auch zertifizierte Organisationen, die sich um Menschen kümmern, denen es schlecht geht. Sie haben unsere Unterstützung verdient und nicht Grosskonzerne, die sich mit Mini-Spenden brüsten.