Der Kommentar: «SP Suiza o Muerte – venceremos! Die SP Schweiz oder Tod – wir werden siegen»: So rufe ich euch zu, aus Kuba, quer über den Atlantik, Genossen in der Schweiz, rufe es im Namen des Ché.

Ché Guevara und ihr: Das sind die Letzten, die den politischen Kampf weiter im Namen des «neuen Menschen» kämpfen. Notfalls auch mit Gewehren des Friedens. Ihr seid die Tauben (ich meine die Vögel) zwischen den hoch gerüsteten Armeen des Imperiums im Norden und seinen rund um den Globus blind ergebenen Vasallen. Ihr allein erkennt den wahren Motor der Geschichte, den revolutionären Kampf zwischen Unterdrücker und Unterdrückten. Ihr wollt nicht bis zum Ende der Geschichte mit «Kapitalismus» übertiteln, wo es um die Freiheit und die Würde des Menschen geht.

Deshalb widme ich euch eine meiner «Reflexionen»: Ich bin ein alter Mann. Mich berühren eigentlich nur noch Delfine. Delfine haben einen guten Einfluss auf Verstörte. Ich empfinde nicht einmal mehr Hass gegen Schwule. So weit ist meine Resignation bereits gediehen. Wie soll mir auch gefallen, was mit dem Sozialismus auf Kuba geschehen ist? Was nahezu fünfzig Jahre Wirtschaftsblockade durch das Imperium im Norden angerichtet haben? Mit dem Sozialismus eines einzigen Mannes.

Resignation aber ist eines. Etwas ganz anderes sind Verleumdungen. Ich habe das ja sofort berichtigt, was mir neulich im Mund umgedreht worden ist. Ich habe nie gesagt, der Sozialismus funktioniere nicht einmal mehr in Kuba. Das war ironisch. Wenn wir Sozialisten in den letzten Wochen eine halbe Million Arbeitnehmer auf die Strasse stellten – ohne Sozialplan, ohne Arbeitslosen-Versicherung –, denen noch einmal 800000 folgen werden, ist das nur Ironie der Geschichte.
Ihr habt das begriffen. Ihr wählt jetzt die gleiche Strategie: Ihr sagt, auch die Ziele in eurem Parteiprogramm seien ironisch. Es seien Verweise oder Richtlinien für anno Tobak, sofern ich richtig verstanden habe.

Dafür werdet ihr jetzt gescholten, verfemt und geprügelt. Mein Leben diene als Beispiel: Auch euch wird die Geschichte freisprechen. Dass euch die Ironie weniger abgekauft wird als mir, hängt damit zusammen, dass mein Staatsfernsehen in den Abendnachrichten jede meiner Reflexionen vom Blatt liest, inklusive Datum, Unterschrift und Stunde, da ich sie verfasst habe. Hinterher analysiert das mein Freund Randy Alonso in seiner Politsendung «Mesa redonda» (runder Tisch). Randy ist der beste Politanalyst der Welt. Keiner kann so schlafwandlerisch genau analysieren, was ich ihm jeweils zum Analysieren vorlege. Leute wie Randy befolgen die revolutionäre Maxime: Mesa redonda oder Tod.

In der Hinsicht seid ihr, Genossen, noch nicht weit fortgeschritten. Ihr müsst euch noch immer mit einer Presse herumschlagen, die im Kapitalismus nur eine kapitalistische Presse sein kann, also im Sold der CIA steht und deren Handlanger von Miami, wodurch sogar Roger Köppel zum Mainstream-Publizisten wurde und unisono mit allen Medien auf euch eindrischt.

So weit zur Ironie des Ganzen. Nun aber noch ein Wort im Ernst: Wenn ich da so müssig im Delfin-Aquarium über die Dinge räsoniere, kehrt eine Frage immer wieder: Wie oft habe ich von Rednertribünen den Tod als einzige Möglichkeit neben dem Vaterland beschworen, meinem Vaterland. Warum gibts neben Sozialismus und Revolution für uns eigentlich kein Leben? Wie jeder Caudillo, der auch die Eier hat für diesen Posten, delegiere ich gern den Tod an die Massen, um ihn für mich zu bannen. Das ist kein Hokuspokus; als Kubaner glaube ich an die Kraft von Geistern. So habe ich 638 Attentatsversuche überlebt und zehn US-Präsidenten. Ich beweise politisch vor allem dieses: Stärker als mit der Absolutheit des Todes kann man als Führer gar nicht agieren.

Darum habt auch ihr die richtige Wahl getroffen, weil es keine Wahl gibt: Ihr kämpft weiter für die Überwindung des Kapitalismus – oder ihr könnt die Segel streichen. Von der politischen Bühne verschwinden. Sozialisten in der politischen Mitte gehen sich selbst verloren. Sozialisten können nicht mithelfen, Kapitalisten weich zu spülen, ausser sie werden zu Lakaien. Also mutig, mutig, liebe Brüder, gebt das bange Sorgen auf! Ansonsten steigt die Sonne immer freundlich an Kubas Himmel auf, um hier die Batterien aufzuladen (notfalls auch die Artillerie des Friedens). Allerdings müsst ihr euch sputen. Ich höre, wie ausserhalb meines Aquariums die Polizei beginnt, gegen Arbeitslose zu schiessen, ausnahmslos von der CIA bezahlte Hungerleider.

* In eine von Fidels «Reflexiones» versuchte sich hier Max Dohner einzufühlen. Der AZ-Autor wurde Zeuge zahlloser Reden und Reflexionen des «Máximo Líder».