Der Kommentar: Die politische und die wirtschaftliche Hauptstadt der Schweiz werden seit vielen Jahren von rot-grünen Mehrheiten regiert. Mit Erfolg: Bern und Zürich haben an wirtschaftlicher Stärke gewonnen, die Lebensqualität ist gestiegen und bei der Bevölkerungszahl gab es eine Trendwende: Sie nimmt wieder zu. Doch die sicheren Regierungsmehrheiten haben die SP in den beiden Städten satt gemacht. Sie kann sich alles erlauben. Das manifestiert sich in ihren Stadtpräsidenten, die nicht über das nötige Format verfügen.

Corine Mauch fällt vor allem dadurch auf, dass sie nicht auffallen will. Und wenn sie doch mal Schlagzeilen macht, dann negative: Diese Woche wurde ein Strafverfahren gegen sie eröffnet. Der Vorwurf: Nötigung. Hintergrund ist die Affäre um eine Schwulen-Bar.

Alexander Tschäppät fällt vor allem dadurch auf, dass er auffallen will. Vor einer Woche grölte er nach dem Sieg von YB gegen den FCZ, stieg in einer Beiz, offensichtlich alkoholisiert, auf die Bühne und trällerte mit der Gruppe Mano Porno den Song «Sämi Schmid Motherfucker». In freier Improvisation ergänzte er den Text um Christoph Blocher.

Die beiden Stapi spielen ihre Affären nun in gewohntem Stil herunter. Und sie werden ihnen auch nicht gross schaden. Weit und breit sind keine Konkurrenten vorhanden, die den Amtsinhabern gefährlich werden könnten. Sie können sich fast alles leisten: Corine Mauch wird heute trotz fehlendem Leistungsausweis wiedergewählt werden, Alexander Tschäppät wird den Gröl-Vorfall aussitzen.

Zürich und Bern, diese beiden tollen Städte, hätten echte Persönlichkeiten an ihren Spitzen verdient. Offenbar zieht es diese Persönlichkeiten aber nicht mehr in die kommunale Politik – vor allem nicht bei den Bürgerlichen. Wo die Auswahl und die Konkurrenz fehlen, sinkt das Niveau. Es ist ein Armutszeugnis für FDP, SVP und CVP, dass sie der grauen Verwaltungsmaus in Zürich und dem Partylöwen in Bern nichts entgegenzusetzen haben.