Der Kommentar: GC, der kapitalistischste aller Schweizer Fussballklubs, hat beim Staat angeklopft. Der Verein mit Geldgebern, die ausserhalb des Stadions «mehr Freiheit, weniger Staat!» skandieren, flehte beim rot-grünen Stadtrat um Steuergeld. Und der spielt mit.

Eine kleine Erpressung hat gereicht. Die bankennahen GC-Manager drohen mit Wegzug (diesmal nicht nach London, aber immerhin nach Aarau), und schon öffnet die Lokalregierung die Schatulle. Wie erwartet startet darauf der Chefredaktor des «Tages-Anzeigers», ein bekennender GC-Fan, die publizistische La-Ola-Welle: «Ein glückliches Ende für alle Beteiligten.» Für Downtown Switzerland ist GC – Zuschauerschnitt diese Saison: 6620 – eben systemrelevant.

Der Fall GC ist ein Fall UBS im Fasnachtsformat: Aufstieg zur Nummer eins, Grosserfolge, Hochmut, Übermut, Fehlinvestitionen, Missmanagement, Kunden- und Fan-Flucht – und am Ende ein «ordnungspolitischer Sündenfall», wie GC-Übervater Rainer E. Gut (FDP) und UBS-Stratege Marcel Ospel (SVP) so schön sagen, wenn es andere betrifft: Staatshilfe.

Bizarr ist das Verhalten des angeblich linken Stadtrats, angeführt von Stadtpräsidentin Corine Mauch, die einem Fussballspiel etwa so viel abgewinnen kann wie Mauro Tuena alternativem Improvisationstheater. Eben noch beteuerte der städtische Sportvorsteher Gerold Lauber, GC müsse seine Probleme selber lösen.

Nun ist alles anders – und das in einer Zeit, wo die Stadt bei der Polizei, bei den Hebammen und bei Essenspauschalen fürs Personal spart und wo wir im «Tages-Anzeiger» eine doppelseitige Reportage darüber lesen, wie die Altersheime mit Fr. 8.20 pro Tag und Mensch für die Senioren kochen müssen.

Zürichs Regierung macht Sozialismus für Millionäre. Das süsse Gift der Subventionen wirkt und lockt schon den nächsten Klub: Auch der ZSC mit Investor Walter Frey will profitieren. Das wäre dann Sozialismus für Milliardäre.

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