Bis am Donnerstagabend sah das das Eidgenössische Departement des Äusseren (EDA) sah keine Veranlassung, die Reisehinweise zu verschärfen. Zuletzt waren sie im Juni geändert worden. Damals weiterte es die Sperre auf das ganze Land aus, mit Ausnahme der Badeorte. Erst im Verlauf des Freitags erliess das EDA eine Reisewarnung fürs ganze Land. Erst mit dieser Warnung reagierten die Reiseveranstalter.

Sie unterbrachen die Flüge ins Land am Nil und erlaubten kostenlos Umbuchungen und Annullationen. Noch am Freitag flogen die letzten Charter-Jets an die ägyptischen Strände am Roten Meer. Dort warten saubere Sandstrände, viel Sonne, lächelndes Hotelpersonal auf die Feriengäste – und Militärhelikopter, die über den Ferienresorts kreisen. Die Militärregierung hat Ausgangssperren erlassen, die auch in den Haupttourismusorten Hurghada und in Sharm el Sheik durchgesetzt werden. Statt durch die Souks zu flanieren, wartet das triste Getto der Hotelanlage auf die Touristen. Entspannende Ferien sehen anders aus.

Und doch schätzen die Veranstalter die Lage unproblematisch ein: Die Gäste würden «nichts von den Unruhen» spüren, sagte eine Sprecherin allen Ernstes in der Sendung «10 vor 10». Somit seien die Unternehmen auch nicht gezwungen, die Reisenden in die Schweiz zurückzuholen. Die lokalen Reiseleiter würden momentan individuell Rückreisebedürfnisse der Kunden abklären, heisst es bei den Reiseunternehmen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Reiseunternehmen die Kosten scheuen, ihre Gäste in die Schweiz zurückzuholen. Dieses Verhalten grenzt an Gleichgültigkeit.

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