Der Kommentar: Na, da hat sich Pro-Helvetia-Chef Knüsel ein schönes Ei gelegt. Dabei ist das Projekt eigentlich keine grosse Sache: ein «Kaminzimmer» sorgt schliesslich noch für kein hormonelles Feuerwerk. Da bringt die «Sadomaso-Kammer» den Besucher schon eher in Wallung. Liest man dann aber, was sich darin abspielt, würde es in einer öffentlichen Sauna wohl mehr knistern. Was bleibt, ist die Tatsache, dass dieses Banale in einem Museum stattfindet. That’s it.

Nein, ein Tabubruch ist die Installation nicht. Und eigentlich gäbe es nichts darüber zu berichten, wenn Pro Helvetia diese «Kunstinstallation» nicht mit 15 000 Franken unterstützen würde. Und damit ist das «Element 6»-Projekt quasi befördert: Sie ist ein Stück Helvetia. Und diese Kunst soll dann doch ein Stück weit Qualitätszeugnis sein. Doch weil Kunst nicht messbar, sondern Geschmacksache ist, herrscht Spielraum.

Es geht in der Diskussion nicht um Zensur, es geht um eine Message. Und eine zentrale Frage: Ist dieses Projekt wirklich die Art von Kunst, mit der die Schweiz im Ausland brillieren soll? Künstler Christoph Büchel hat sich ein Stück vom Pro-Helvetia-Kuchen ergattert und damit anderen unterstützungswürdigen Künstlern den Platz weggenommen. Und jetzt steht sein Geldgeber Pro Helvetia in der Kritik – und er schweigt tagelang. Das ist wohl in seinen Augen auch Kunst: Geld kassieren, für Aufruhr sorgen und dann «kunstvoll» schweigen.

Pipilotti Rist überrascht und provoziert als Videokünstlerin seit 20 Jahren die Kunstwelt. Ihr Spielfilm «Pepperminta» erzählt von einer Frau, die mit einer Art Terrortruppe der Fantasie unser Spiesserleben auf den Kopf stellen will. Doch sie erklärt ihre Idee dahinter. Das ist spannend und animiert, sich wirklich mit einem Thema auseinanderzusetzen.

Jeder Künstler, der mit Kulturförderprogrammen seine Ideen verwirklichen kann, soll sie bitte schön auch erklären (müssen). Wer Geld nimmt, wird abhängig. So sind die Spielregeln – auch für Künstler.