Der Kommentar: SVP-Wahlkampfleiter Albert Rösti fiel im letzten «SonnTalk» auf Tele Züri über Flüchtlinge aus Eritrea her. Pauschal erklärte er sie zu «Wirtschaftsflüchtlingen», die Grenzwache fungiere «fast wie ein Empfangskomitee». Dem Publikum wollte er weismachen, dass er wisse, wovon er rede, er habe sich an der Grenze in Chiasso ein Bild gemacht.

Gar nichts weiss der Berufspolitiker aus dem Kanton Bern. Oder dann unterschlägt er die Fakten, was noch schlimmer ist: Eritrea ist eine Diktatur, die ihre eigenen Leute brutal unterdrückt, foltert und verschwinden lässt. Laut UNO herrscht in Eritrea nicht das Recht, sondern die Angst.

Röstis zynische Demagogie ist unschweizerisch. Zur Stärke der reichen Schweiz gehört gerade auch Solidarität mit den Schwächsten im In- und Ausland. Ein guter Teil unseres Erfolgs ist unser Ruf als gerechtes und offenes Land, als Land der Menschenrechte. Das sollte gerade am 1. August niemand vergessen. Auch die Bundesräte nicht, die das Thema Flüchtlinge in ihren Reden zur Bundesfeier, mit Ausnahme von Doris Leuthard, zögerlich oder überhaupt nicht ansprachen.

Es ist aber gerade an der Regierung, die Demagogen in die Schranken zu weisen und ihre falschen Behauptungen zu widerlegen. Darauf hat die Bevölkerung ein Anrecht. Gerade von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hätte man sich deutlichere Worte erhofft.

In der Schweiz können wir über alles diskutieren, auch darüber, wer Asyl erhalten soll und wer nicht. Aber Grundlage müssen immer Fakten sein.

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