Tiefere Zinsen bei den Pensionskassen treffen die Erwerbstätigen – sie werden später kleinere Renten erhalten. Die Renten derjenigen hingegen, die bereits pensioniert sind, dürfen von Gesetzes wegen nicht angetastet werden. Für sie ist es das Paradies: Ihre Renten sind gesichert, sie werden technisch im Durchschnitt zu rund 3 Prozent verzinst, während wir dieses und nächstes Jahr sinkende Preise haben, wie die Nationalbank prognostiziert.

Man mag den Rentnern die Kaufkraft gönnen, doch mehr und mehr stellt sich die Frage, ob die Balance zwischen der erwerbstätigen und der pensionierten Bevölkerung noch stimmt. Bereits vor den jüngsten Zinssenkungen wurden jedes Jahr mehrere Milliarden Franken von den Erwerbstätigen an die heutigen Rentenbezüger umverteilt. Jetzt nimmt diese Subventionierung noch zu, obwohl diese in der zweiten Säule eigentlich nicht vorgesehen ist.

Arbeitnehmer sehen, wie sie zwar immer höhere Lohnabzüge zahlen, aber ihre künftigen Renten dahinschmelzen. Die Lebenserwartung steigt, die Zinsen sind historisch tief. Darum plant Bundesrat Alain Berset mit der «Altersvorsorge 2020» eine Senkung des Umwandlungssatzes von heute 6,8 auf noch 6,0 Prozent. Eine unvermeidbare, realistischerweise wohl zu bescheidene Massnahme.

Der Generationenvertrag, die Solidarität zwischen Jung und Alt, ist eine Errungenschaft. Doch es braucht die Solidarität von beiden Seiten. Im Moment läuft alles darauf hinaus, dass der Generationenvertrag überstrapaziert wird. Zulasten der Erwerbstätigen.

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