Der Kommentar: Es ist kaum zu glauben: Im Kraftwerk Leibstadt konnte ein externer Mitarbeiter, der sich offenbar nicht im geringsten mit Atomkraftwerken auskannte, eine Stahlwand gleich mehrfach durchbohren, die uns im Krisenfall schützen soll. Und niemand merkte es. Sechs Jahre lang. Für das Kraftwerk ist das nichts Aussergewöhnliches. In einer Mitteilung teilte es lapidar mit, es würde eine «Reparatur am Containment» durchgeführt. Da tobten sogar die Manager bei der Eigentümerin Axpo.

Natürlich passieren Fehler. Natürlich hängt auch in einem Kraftwerk viel an den Wänden herum, sodass nicht jede Halterung gleich hinterfragt wird. Aber ist es so naiv zu erwarten, dass im Kern eines AKW etwas höhere Vorsichtsmassnahmen gelten als in einer Schreinerei oder Zeitungsdruckerei?

Es ist nicht die erste auffällige Schlagzeile eines Schweizer Kraftwerks. Vor vier Jahren staunte man bereits über Leibstadt, als ein Taucher beinahe einen Ernstfall auslöste, als er ein in einem Kühlbecken herumliegendes Metallstück an die Oberfläche brachte. Es war ein Stück Uran. Und vor gut einem Jahr publizierte die Atomenergiebehörde IAEA Episoden zum Kraftwerk Mühleberg: Da fanden die Inspektoren etwa Fässer mit nicht definierten Flüssigkeiten. Und sie monierten, dass es die BWK mehrmals nicht schaffte, den 24-Stunden-Dienst mit zwei Feuerwehrleuten aufrechtzuerhalten.

All diese Pannen mögen als Einzelfälle nicht dramatisch sein. Aber die so schon umstrittene Atomkraft lebt vom Vertauen in sie. Und Vertrauen schafft man nicht mit solch peinlichen Pannen.

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