derfällt?»

Antwort von Oswald Grübel: «Ich glaube nicht, dass der Euro zurzeit in Gefahr ist, auseinanderzufallen. Alle wichtigen Parteien haben gerade nochmals beteuert, dass sie das nicht zulassen werden und bereit sind, das Notwendige zu tun, um das zu verhindern. Mit anderen Worten, der Euro wird so lange abgewertet, bis die jetzigen Probleme – zu hohe Verschuldung, Zinsen, kein Wirtschaftswachstum, Finanzierung des Sozialstaates etc. – im Sinne des Marktes gelöst sind.

Die Folgen eines Zerfalls würden für die Schweiz zum Gegenteil dessen führen, was unsere Politik will – nämlich der Franken würde stärker werden. Das hätte momentan zwar keinen Einfluss, da die Nationalbank (SNB) unbegrenzt Euros gegen Franken kauft.

Falls sie aber eines Tages damit aufhören müsste, würde der Franken gegenüber dem Euro stark aufwerten. Das könnte nur vermieden werden, wenn wir den Franken in kürzester Zeit genauso schwach machen würden wie den Euro, was unmöglich ist. Dafür sind unsere Staatsfinanzen und die Schweizer Wirtschaft viel zu gut.

Würde der Euro gegen alle Erwartungen auseinanderbrechen und einige oder alle Euro-Länder zu ihrer alten Währung zurückkehren, hätte unsere SNB einen gewaltigen Verlust zu verbuchen, denn die Euro-Länder würden sich überbieten in der Abwertung ihrer Währung, um sich einen Wirtschaftsvorteil zu verschaffen.

Aus diesem Grund tauscht die SNB einen Teil ihrer Euros in US-Dollar. Leider wird sich auch das nicht als grosser Schutz erweisen. Der US-Dollar wird zu den Ersten gehören, wenn es um wettbewerbliche Abwertung geht. Das hat er uns in der Vergangenheit schon mehrmals bewiesen.»

Jede Woche beantwortet Oswald Grübel eine Leserfrage. Schicken Sie Ihre Frage an den ehemaligen UBS- und CS-Chef: gruebel@sonntagonline.ch

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